Caleb Bradham setzte alles auf Zucker. Der Apotheker aus New Bern in North Carolina hatte an seinem Sodabrunnen ein erfrischendes Getränk gemischt: Zucker, Wasser, Karamell, Zitronenöl und Colanüsse. Anfangs nannten es seine Kunden einfach Brads Getränk. 1898 taufte er es Pepsi-Cola, angelehnt an das Verdauungsenzym Pepsin, denn die Erfindung sollte Magenbeschwerden lindern.

Es war eine Zeit, in der die Grenze zwischen Arznei und Limonade verschwamm. Apotheker verkauften sprudelnde Kräutermixe als Medizin gegen Müdigkeit und schlechte Laune. Auch Coca-Cola war so entstanden. Aus dieser seltsamen Welt gingen zwei Titanen hervor, die ein ganzes Jahrhundert lang Krieg gegeneinander führen sollten.
Dann kam der Erste Weltkrieg. Der Zuckerpreis schoss in die Höhe, und Bradham kaufte gewaltige Mengen zum Höchstpreis. Er setzte alles darauf, dass Zucker immer teurer würde. Als der Krieg endete, brach die Nachfrage ein.
Der Zuckerpreis stürzte ab. Bradham saß auf Bergen wertlosen Zuckers, und Pepsi, das für ein paar Cent die Flasche verkauft wurde, konnte den Verlust nicht wettmachen. 1923 meldete Pepsi-Cola Konkurs an. Bradham verlor alles, kehrte hinter den Apothekentresen von New Bern zurück und starb ein Jahrzehnt später als gewöhnlicher Apotheker, in der Überzeugung, sein Lebenstraum sei gescheitert.
Er erlebte nie, was aus seiner Erfindung werden würde. Ein Börsenmakler namens Roy McGargle kaufte die Marke, um sie wiederzubeleben. Der Markt war hart, die Konkurrenz erdrückend. Nach Jahren ununterbrochener Verluste gab auch er auf.
1931 meldete Pepsi zum zweiten Mal Konkurs. Das Getränk war zu einem Ladenhüter geworden, der jeden, der ihn anfasste, mit leeren Taschen zurückließ. Dann trat Charles Guth auf. Guth leitete die Süßwarenkette Loft und war wütend auf Coca-Cola.
Er hatte als Großabnehmer einen Mengenrabatt auf den Sirup verlangt und war abgewiesen worden. Aus Trotz beschloss er, Coca-Cola aus seinen Läden zu verbannen. Er brauchte Ersatz. Und genau da kam ihm das bankrotte Pepsi gelegen.
Für ein paar tausend Dollar kaufte er die verschmähte Marke, für einen lächerlichen Betrag. Niemand sonst wollte sie haben, also bekam er sie beinahe geschenkt. Er ließ die Rezeptur anpassen. Pepsi wurde süßer als Coca-Cola, eine zweischneidige Waffe.
Beim ersten Schluck überzeugt der süßere Geschmack, aber eine ganze große Flasche trinkt sich schwerer. Später baute Pepsi auf diesem Vorteil seine berühmten Blindverkostungen auf. Doch Guth selbst glaubte nicht an Pepsi. Mehrmals schickte er Unterhändler zu Coca-Cola nach Atlanta, mit dem Angebot, Pepsi zu verkaufen.
Er wollte es loswerden. Coca-Cola lehnte jedes Mal ab. Die Führung war überzeugt, der ewige Pechvogel werde von selbst verschwinden. Warum einen Cent für ein Getränk ausgeben, das in ein paar Jahren niemand mehr kennt?
So ließ der größte Getränkehersteller der Welt seinen künftigen Rivalen für einen Spottpreis liegen. Es war einer der teuersten Fehler der Handelsgeschichte. Mitten in der großen Depression kam die Wende. Guth füllte Pepsi in Zwölf-Unzen-Flaschen ab, eigentlich gebrauchte Bierflaschen, doppelt so groß wie die üblichen Fläschchen.
Diese doppelte Menge verkaufte er für fünf Cent, denselben Preis, den Coca-Cola für sein halb so großes Fläschchen verlangte. Doppelt so viel fürs gleiche Geld. Für ein verarmtes Land war das unwiderstehlich. Ein Jingle lief im Radio: Pepsi-Cola ist genau das Richtige, doppelt so viel für einen Nickel.
Die Menschen summten das Lied auf der Straße. Der Absatz explodierte binnen weniger Monate. In dieser tiefsten Not wurde die Seele der Marke geboren. Pepsi begriff, wer es war: nicht die vornehme, traditionsreiche Cola, sondern die Cola der Arbeiter und derer, die aufs Geld schauen mussten.
Was wie ein Nachteil aussah, wurde in der Krise zum größten Vorteil. Pepsi hörte auf, sich zu schämen, und machte daraus sein Banner. Der Erfolg zog neue Feinde an. Guth hatte Pepsi mit den Mitteln der Firma Loft aufgebaut, die er leitete.
Als Pepsi zur Goldgrube wurde, verklagte Loft ihn. Der Streit ging bis zum Obersten Gericht von Delaware und endete mit Guts Niederlage: Pepsi gehörte fortan Loft. Bis heute ist der Fall ein Lehrbuchstück des Handelsrechts. Pepsi baute sich ein Gesicht auf, und dieses Gesicht bestand darin, nicht Coca-Cola zu sein.
Coca-Cola war gesetzt, traditionell, offiziell. Pepsi gab sich jung, frech, modern. In den vierziger Jahren wagte Pepsi etwas fast Unerhörtes. Es stellte das erste rein afroamerikanische Verkaufsteam der Branche zusammen und sprach gezielt Kunden an, die Coca-Cola übersah.
Der Außenseiter unter den Getränken wandte sich an die Menschen, die wie er übersehen wurden. Es war ein Geschäftszug, und zugleich ein Mutbeweis. In den siebziger Jahren kam der Angriff: die Pepsi Challenge. Pepsi ließ Menschen beide Getränke blind verkosten und enthüllte, dass das gewählte, besser schmeckende Getränk in Wahrheit Pepsi war.
Coca-Cola war überrumpelt. In den achtziger Jahren holte Pepsi den größten Star der Popmusik: Michael Jackson wurde das Gesicht der neuen Generation. Als bei den Dreharbeiten zu einem Werbespot durch ein Feuerwerk seine Haare Feuer fingen, wurde die Kampagne nur noch berühmter. Dann kam die vielleicht unglaublichste Geschichte von allen.
1959 trafen auf einer amerikanischen Ausstellung in Moskau der amerikanische Vizepräsident und der sowjetische Führer aufeinander. Ein junger Pepsi-Manager namens Donald Kendall überredete den Vizepräsidenten, dem Sowjetführer direkt vor den Kameras der Weltpresse einen Becher Pepsi zu reichen. Kendall riskierte seine Karriere. Doch das Foto des mächtigsten Mannes der kommunistischen Welt, der genüsslich amerikanische Cola trank, ging um die ganze Welt.
1972 wurde Pepsi das erste amerikanische Konsumprodukt, das offiziell in der Sowjetunion verkauft werden durfte. Nur der Rubel war im Ausland wertlos. Die Sowjetunion zahlte mit Wodka. Pepsi erhielt die alleinigen Verkaufsrechte für Stolichnaya in Amerika, und der Wodka wurde zu einem der meistverkauften des Landes, über eine Million Kisten pro Jahr.
Amerikanische Cola nach Osten, sowjetischer Wodka nach Westen. Eine Brücke aus Kohlensäure und Alkohol zwischen zwei verfeindeten Welten. Ende der achtziger Jahre brach der Wodka-Handel ein. Die Sowjetunion zahlte 1989 mit einer Flotte von Kriegsschiffen: siebzehn U-Boote, dazu ein Kreuzer, eine Fregatte und ein Zerstörer.
Für einen Augenblick besaß ein Limonadenhersteller, so schätzten manche, die sechstgrößte Kriegsflotte der Welt. Pepsi wusste mit den Schiffen nichts anzufangen und verkaufte sie zum Verschrotten. Der Chef der Firma soll zum amerikanischen Sicherheitsberater gescherzt haben: Pepsi rüste die Sowjetunion schneller ab als die gesamte US-Regierung. Heute ist Pepsi ein Weltkonzern mit hunderttausenden Beschäftigten.
König wurde es nie. Es blieb der ewige Herausforderer. Wer heute eine blau-weiße Dose in der Hand hält, hält ein Getränk, das zweimal bankrottging, das sein eigener Besitzer loswerden wollte und das der größte Rivale nicht einmal geschenkt nahm.
Der ewige Verlierer, der sich weigerte zu sterben, hat am Ende die ganze Welt gewonnen.

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