Gestern sagte meine Mutter süß lächelnd: „Denk dran, dieses Jahr bitte ganz viel Majoran.“ Sie hat es mir schon zweimal gesagt – ich hatte keine Wahl. Und während ich in unserer Anzuchtstation…

Gestern sagte meine Mutter süß lächelnd: „Denk dran, dieses Jahr bitte ganz viel Majoran.“ Sie hat es mir schon zweimal gesagt – ich hatte keine Wahl. Und während ich in unserer Anzuchtstation...

„Jetzt wird es aber höchste Zeit, dass ihr euch anzieht“, sagte ich zu meinem Mann, während ich die Gummistiefel überzog. Die Sonne kämpfte sich durch die Wolken, und der Garten lag bereit. Nach den letzten kalten Tagen konnte es ja nur noch wärmer werden – und genau das machte uns Hoffnung. Die Beete im großen Gemüsegarten waren vorbereitet, und heute sollten die ersten Freilandaussaaten in die Erde.

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Unsere Gemüsebeete erstrecken sich über eine Breite von zehn Metern und eine Länge von vierzig Metern – insgesamt also rund 400 Quadratmeter Anbaufläche, aufgeteilt in fünf Parzellen. Der Anbauplan stammt von meinem Mann, und danach richten wir uns. Heute standen Spinat, Radieschen und Mairübchen auf dem Programm. Ich zog mit dem Rillenzieher zwei saubere Rillen.

Beim Spinat verteilte ich das Saatgut bewusst etwas dichter, als es auf der Packung stand. Wir wollten ihn nämlich als Baby-Leaf-Spinat ernten – sobald die ersten Blätter die richtige Größe haben, kann ich sie einzeln abnehmen. Ließ ich sie weiterwachsen, bekäme ich später auch große Spinatpflanzen. Nach dem Säen kam das Angießen, denn die Aussaat muss feucht bleiben, damit sie gut keimt.

In der nächsten Reihe säte mein Mann die Radieschen im Abstand von ein bis zwei Zentimetern. Da geht niemand mit dem Maßband hin – das ist Gefühlssache. Und wenn es später zu eng wird, kann man einfach etwas ausdünnen. Bei den Mairübchen legten wir das Saatgut in sechs Zentimetern Abstand, damit sie später genug Platz haben.

Wie bei den Radieschen reichte eine Saattiefe von einem Zentimeter. Ich wies auf die Kiste am Rand des Beetes. „Das sind die dicken Bohnen, die wir in den Workshops zusammen großgezogen haben. “ Die kleinen Pflänzchen hatten wir aus Samen gezogen.

Regulär pflanzen wir sie mit zwanzig Zentimetern Abstand, heute setzten wir sie etwas enger und tiefer – so tief, dass sie bis zu den ersten Blättern in der Erde verschwinden. Für die zweite Reihe waren wir uns noch nicht sicher, ob dort Salat oder Fenchel einziehen sollte. Das mussten wir noch diskutieren. Als die ersten Pflanzen in der Erde waren, überkam mich dieses vertraute Glücksgefühl.

Es macht einfach jedes Jahr wieder Freude zu sehen, wie aus kleinen Körnern und Pflänzchen etwas Großes wächst. Weiter ging es ins Gewächshaus, und schon beim Betreten fiel mir auf, was ein paar warme, sonnige Tage bewirken können. Der Spinat war richtig ins Wachstum geschossen – vital und fast schon erntereif, eine wahre Augenweide. Auch die Salatmischung vorne stand knackig und bunt da.

Im hinteren Bereich war es etwas lichter, weil wir dort schon fleißig geerntet hatten. Ein frisches Rührei mit jungen Blattspinat direkt aus dem Garten – gerade wenn man die Hühner vor der Haustür hat – ist schon etwas Feines. Auf den Regalen im Gewächshaus standen unzählige Multitopfplatten mit Jungpflanzen. Der Blumenkohl und weitere Kohlpflänzchen sollten übers Wochenende geschützt in den Geodome gepflanzt werden, sobald wir den restlichen Feldsalat geerntet hatten.

Die verschiedenen Salate – Eissalat, Eichblattsalat, Wintersalat – könnte man theoretisch schon ins Freiland setzen, wenn man sie vorher abhärtet. Dafür stelle ich die Platten etwa eine Woche geschützt nach draußen, vielleicht unter den Carport. Wichtig ist, das nicht an prallen Sonnentagen zu tun, sondern eher an bewölkten, feuchten Tagen wie heute. Das vertragen die Pflanzen besser.

In der Anzuchtstation angekommen, war die Veränderung kaum zu übersehen: Wir hatten ein weiteres Regal aufgebaut, und es war merklich voller geworden. Beim Blick auf meinen Anbaukalender gab es noch einiges zu tun. Wer noch keinen Stangensellerie oder Fenchel ausgesät hatte, konnte das jetzt problemlos nachholen. Auch die frühen Kohlsorten wie Blumenkohl, Brokkoli, Wirsing, Kohlrabi und Spitzkohl eigneten sich jetzt noch für die Aussaat.

Bei Zwiebeln würde man dann im August oder September ernten – wer es schneller möchte, nimmt Steckzwiebeln, die gibt es zusammen mit Knoblauch auch bei uns im Kiosk. Für Möhren hatte ich einen besonderen Tipp: Wir keimen die Samen vor, und man sollte unbedingt auf das Wetter achten. An heißen, trockenen Tagen ist die Keimung schwieriger, da muss man die Aussaat permanent feucht halten. Besser sind diesige, feuchtere Tage.

Knollensellerie und Wurzelpetersilie konnten ebenfalls noch gesät werden, ebenso die dicke Bohne als Direktsaat – wobei man dann wegen der Bohnenlaus aufpassen muss. Beim Fruchtgemüse war es für Paprika, Auberginen und Physalis höchste Eisenbahn. Die Tomaten hatten wir ja bereits letzte Woche ausgesät, und jetzt war es Zeit, sie zu pikieren. Ich holte die Platte mit den Sämlingen – sie waren etwa zweieinhalb Wochen alt und dufteten schon herrlich nach Tomate.

Man konnte deutlich die tomatentypischen Blätter nach den Keimblättern erkennen. Perfektes Stadium. Einige Pflänzchen waren noch kleiner und zeigten nur Keimblätter. Die ließ ich noch stehen.

Die größeren nahm ich vorsichtig mit dem Pikierstäbchen aus der Erde, immer an den Blättern, niemals am Stiel. Dann setzte ich sie in einzelne Töpfchen mit gedämpfter Anzuchterde, tiefer als vorher – bis zu den ersten Blättern. Sollten die Stiele schon zu lang geworden sein, kann man die Tomaten auch schräg ins Töpfchen legen, das funktioniert ebenfalls. Nach dem Pikieren drückte ich die Erde vorsichtig an und goss die Pflänzchen an.

Beschriften nicht vergessen – gerade bei so vielen verschiedenen Sorten. Die Tomaten brauchen jetzt einen Platz mit sehr viel Licht, vielleicht ein Südfenster mit Reflektor. Wir stellen sie unter die Vollspektrumleuchten, und wichtig ist, dass die Temperatur unter zwanzig Grad bleibt – sonst schießen sie in die Höhe und werden zu lang und instabil. Wir wollen kompakte, kräftige Jungpflanzen, die später einen guten Ertrag liefern.

Ab April können die Tomaten dann tagsüber nach draußen, ab zehn Grad mögen sie das. Aber aufgepasst: Der April macht, was er will. Wenn plötzlich Hagel herunterkommt, könnten die Pflanzen Schaden nehmen. Also besser überdacht stellen, etwa unter den Carport oder auf eine überdachte Terrasse.

Die Freilandtomaten säen wir übrigens erst Ende März, Anfang April aus. So haben wir mehr Spielraum, falls es bis zu den Eisheiligen nochmal richtig kalt wird. Tomaten haben es also nicht eilig. Nach dem Pikieren zeigte ich noch, wie wir die Kräuter aussäen.

Ich holte eine Multitopfplatte mit 54 kleinen Töpfchen und füllte sie mit Anzuchterde. Heute standen Lichtkeimer auf dem Programm – Kräuter, die nicht mit Erde bedeckt werden dürfen, weil sie Licht zum Keimen brauchen. Dazu gehören Thymian, Bohnenkraut, Majoran und Oregano. Majoran ist das Lieblingsgewürz meiner Mutter, sie hatte mir schon zweimal gesagt, dass ich dieses Jahr ganz viel davon anbauen soll.

Also zeigte ich es exemplarisch an ihm. Das Saatgut war winzig klein, feine, zarte Körnchen. Ich verteilte sie vorsichtig auf der Erde, diesmal ohne sie mit Erde zu bedecken. Angießen mit einer feinen Brause oder Sprühflasche, beschriften, fertig.

Die Lichtkeimer müssen von Anfang an Licht bekommen, deshalb kommen sie direkt unter die Leuchten. Aber aufgepasst: Sie müssen feucht bleiben, am besten morgens und abends kontrollieren. Man kann auch mehrere Kräutersorten auf eine Platte bringen – eine Reihe Thymian, eine Reihe Oregano, so wie man mag. Die Keimung ist ähnlich.

Bei einer anderen Gruppe von Kräutern funktioniert es leicht anders. Petersilie und Schnittlauch hatten wir im Workshop bereits ausgesät. Jetzt waren Salbei, Sauerampfer, Baldrian und Blattkoriander dran. Die brauchen eine Saattiefe von etwa einem halben Zentimeter, also werden sie mit etwas Erde bedeckt.

Koriander – manche lieben ihn, manche hassen ihn. Wenn man ihn jetzt draußen säen wollte, müsste man auf die Keimtemperatur achten, sie liegt zwischen 15 und 20 Grad. Deshalb machen wir es in der Anzuchtstation; ab April klappt es auch im Freiland. Ich drückte die Erde in den Töpfchen etwas fest – mit einer zweiten Platte geht das ganz gut, wenn man kräftig draufdrückt.

Dann legte ich pro Töpfchen ungefähr fünf bis zehn Körner Koriander auf die Erde und deckte sie mit lockerer Erde ab. Anschließend beschriften und angießen. Ein Blick in die Regale zeigte: Unsere Anzuchtstation ist ein wahres Paradies. Ganz unten standen die Auberginen, die sich prächtig machen, daneben die runden, pinken Auberginen.

Chilis und Jalapeños zeigten sich ebenfalls von ihrer besten Seite. Eine Etage höher entdeckte man den Schnittlauch, den wir zusammen ausgesät hatten – es kam schon etwas Grünes. Dahinter war die Petersilie zu sehen, die wie immer etwas langsamer keimt. Im hinteren Bereich stand ein Sortenversuch, und man konnte bereits die ersten gemüsetypischen Blätter erkennen – links der Stangensellerie, rechts der Knollensellerie.

Auch der Brokkoli von unserer gemeinsamen Aussaat sah schon gut aus. Man konnte erkennen, dass die Keimung unterschiedlich schnell abläuft – manche Pflanzen waren schon weiter, andere brauchten noch Zeit. Die dürfen wachsen, so lange sie brauchen. Im zweiten Regal tobte eine wahre Paprika-Mania: Unzählige Jungpflanzen verschiedener Paprikasorten, die wir ausgesät und pikiert hatten.

Auch die Auberginen fanden sich dort. Mir war wichtig, auf ein Zeichen hinzuweisen, an dem man erkennt, dass eine Pflanze Nährstoffe braucht: die Ananaskirschen, die wir mit feinem Saatgut ausgesät hatten. Ihre Blätter bleichten aus und wurden hell – so sagt uns die Pflanze: Ich habe Hunger. In so einem Fall arbeite ich mit Flüssigdünger mit effektiven Mikroorganismen nach und behalte die Pflanze im Auge.

Bei den Chilis war es ähnlich – sie verlangten nach etwas Dünger. Im dritten Regal warteten weitere Paprikapflanzen, dazu ein zartes Grün, das dem Dill ähnelte: der Fenchel. Die Platte, die wir zusammen ausgesät hatten, stand bereits im Gewächshaus. Daneben waren Melonenbirnen und Physalis zu sehen.

Und dann das besondere Highlight: unsere Paprika aus der Keimprobe von Dezember. Die hatte ich nicht entsorgen können und als Experiment weiterwachsen lassen. Sie hatte sich sogar selbst bestäubt – an ihr und an anderen Pflanzen zeigten sich bereits die ersten Fruchtansätze. Unten am Topf kamen langsam die ersten weißen Wurzeln zum Vorschein.

Da müssen wir ein Auge draufwerfen: Werden es mehr, müssen wir sie in größere Töpfchen umpflanzen. Eine spannende Frage, die ich an die Zuschauer richtete: Wann können wir Paprika ernten? Der Tag war erfüllt von Erde unter den Fingernägeln, vom Duft der Tomatenpflanzen und von Vorfreude. Wir hatten gesät, pikiert, gepflanzt und gepflegt.

Es war viel Arbeit, aber es tat der Seele gut. Ich danke allen, die uns mit ihren Kommentaren, E-Mails und Bildern begleiten – zum Beispiel der Rückmeldung über die Kerbelrübe. Es ist eine große Wertschätzung und Motivation für uns.

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