Die Furchen waren gezogen, zwei lange Reihen auf unserem Ackerstück, und ich konnte es kaum glauben, dass ich das dieses Mal selbst gemacht hatte. Letztes Jahr hatte mein Mann noch den Acker bestellt, und jetzt stand ich hier, zum ersten Mal allein mit dem umgebauten Gerät, das unser Lieblingsschlosser Heinz für uns angefertigt hatte. Ganz gerade waren die Furchen zwar nicht, einen Preis für Schönheit würde ich damit sicher nicht gewinnen, aber das war mir egal. Die Kartoffeln würden schon gerade wachsen, auch wenn die Reihe ein wenig verlief.

Vor mir standen die Kisten mit den vorgekeimten Kartoffeln, zwei späte Sorten, die Sevilla und die Stemster. Die wollte ich jetzt in die Erde bringen, zusammen mit meinem Mann. Wir hatten den Acker in zwei Teile geteilt, alle dreißig Zentimeter eine Markierung gesetzt, dann mit der Hand ein Loch gebuddelt, die Setzkartoffel hineingelegt und wieder zugemacht. So arbeiteten wir uns die ganze Reihe entlang, zwei Sorten auf dem ganzen Stück, sauber eingebuddelt.
Wenn es bald regnete, müssten wir nicht einmal gießen. Ich freute mich schon riesig auf die Ernte in diesem Jahr und war gespannt, wie sich diese beiden Sorten machen würden. Nach getaner Arbeit zog es uns in den Geodom, unsere Kuppel, dieses wunderbare warme Iglo. Vor ein paar Wochen war dort noch alles leer gewesen, wir hatten in den Workshops gesät und pikiert, und jetzt, schaut euch das an, war alles ratzfatz gewachsen.
Die Salate standen knackig und grün, und dazwischen entdeckte ich den Spitzkohl, verschiedene Krautstiele und einen wunderschönen Blumenkohl. Der war absolut erntereif, die Röschen fingen schon an, ein wenig auseinanderzugehen, ein Zeichen, dass er nicht mehr besser werden würde. Jetzt war der perfekte Zeitpunkt, ihn zu ernten. Ich nahm mir zuerst die Blätter ab, die waren einfach zu schön, um sie wegzuwerfen.
Die konnte man in der Pfanne schwenken oder roh essen, eine wahre Vitaminbombe. Dann schnitt ich den Blumenkohl ab und wanderte weiter zu den Krautstielen, darunter auch ein lila Exemplar, eine Wucht, die wir schon probiert hatten und die richtig gut schmeckte. Die Blätter kamen ebenfalls mit. Und dann entdeckte ich meinen Lieblingssalat, einen Batavia, schön fest und knackig.
Den nahm ich mir auch noch. Im Geodom hatten wir eine versetzte Ernte, die Pflanzen wurden nach und nach reif. Ein paar Ausfälle hatten wir zwar, ein wenig Drahtwurm hier und da, aber insgesamt war es voll genug. Und die Lücken, die wir nach der Ernte hatten, würden wir bald wieder füllen, denn gegen Ende Mai, Anfang Juni zogen hier die nächsten Pflanzen ein.
Chili sollte im Außenbereich wachsen, an den Seiten ein paar Gurken, und in der Mitte, in dem Kreisbeet, da wuchsen die Tomaten wunderbar, weil sie Platz nach oben hatten. Das hatte sich im letzten Jahr bewährt, das würden wir wieder so machen. Im großen Gemüsegarten füllten sich derweil auch die Beete. Die dicken Bohnen standen in voller Blüte, daneben die Zwiebeln, der Spinat, die Beetrübchen und die Radieschen.
Es war ein bisschen trocken, aber insgesamt wuchs alles gut. Nur nicht nur das Gemüse wuchs gut, sondern auch das Beikraut. Neben dem Mangold, den wir dieses Jahr in Direktsaat ausgebracht hatten, breitete sich die Melde aus. Damit der Mangold genug Platz und Nährstoffe hatte, mussten wir den Konkurrenzdruck mindern.
Also machten wir uns daran, das Beet sauber zu machen, die kleinen Melde-Pflänzchen vorsichtig mit den Fingerspitzen zwischen den Jungpflanzen herauszuziehen. Es lohnte sich, das behutsam zu machen. Die Abstände waren noch nicht perfekt, ein paar Pflanzen standen noch zu dicht, aber das konnten wir später immer noch korrigieren. Auf der anderen Seite des Beetes entdeckte ich zwei Reihen Kartoffeln, die wir gelegt hatten, und sie sahen verwelkt aus.
Wenn die Kartoffeln oben so aussehen, war es einfach zu kalt gewesen, ein bisschen Frost hatten sie abbekommen. Aber das war nicht schlimm. Die Pflanzen waren ansonsten intakt, sie würden wieder durchtreiben und weiterwachsen. Ganz anders die Kartoffeln in den Tonnen, die geschützter standen, die hatten keinen Frost abbekommen.
Als Nächstes säten wir Wintergemüse aus. Vor uns stand der Palmkohl in voller Blüte, ein Meer aus gelben Blüten, eine wahre Pracht. Wenn die Blüten verblühten, bildeten sich Schoten, in denen das Saatgut steckte. Wir hatten unsere Aussaaterde und die Schildchen dabei und formten mit dem Pikierholz Löcher vor, dann kam das Saatgut hinein.
Die Schildchen konnten einfach draußen stehen bleiben, tagsüber war es warm genug, und in zwei bis drei Wochen würden wir pikieren können. Im Juni zogen die jungen Palmkohlpflanzen dann ins Beet. Hinter mir lag unser großes Gewächshaus, unser Lichtraum, in den bald die wärmeliebenden Pflanzen einziehen sollten. Ich wusste, es war Zeit für eine Runde Beetvorbereitung.
Viele Zuschauer hatten mich immer gefragt, wie wir es schafften, das ganze Jahr über im Gewächshaus zu gärtnern, ohne die Erde auszutauschen. Das Geheimnis lag in den effektiven Mikroorganismen und vor allem im Bokashi. Wir arbeiteten mit Depots, das heißt, wir buddelten Bereiche aus, füllten das fermentierte Material hinein und setzten die Pflanzen daneben, nicht direkt darauf. Das Wurzelwerk merkte, wo die Nährstoffe waren, und streckte sich danach aus.
Ein faszinierendes Prinzip, das wir schon seit über zehn Jahren anwendeten. Zuerst mussten Platz geschaffen werden, die Salat- und Gemüsereste verschwanden, dann legten wir die Depots an. Mein Mann war auch dabei, und wir arbeiteten uns im Schnelldurchgang durch das Gewächshaus. In einem Eimer hatten wir Rosenkohlreste und Pferdemist zusammen fermentiert.
Der Geruch war diesmal etwas strenger, aber das kam auf die Mischung an. Wenn das Bokashi oben so weiß aussieht, wie bei uns, dann hatte man alles richtig gemacht. Ein grauer, dunkler Schimmel wäre schlecht, aber diese weißen Pilze waren erwünscht. Der Eimer hatte sechs bis sieben Wochen gestanden, und der Inhalt war bereit für die Depots.
Am Ende standen die Jungpflanzen parat, die Jalapenos, die in den nächsten Tagen eingepflanzt werden sollten, ein bisschen tiefer, damit sie stabiler standen. Da hinten war noch eine Lücke, vielleicht kam dort noch eine Gurke hinein, und zwischen den Jalapenos sollten auch ein paar Kräuter Platz finden. Auf der anderen Seite des Gewächshauses ließen wir das Grünzeug noch stehen, bis die Tomaten einzogen. Wir aßen wirklich viel Salat, wir suchten uns immer das Schönste heraus, und das Drumherum bekamen unsere Tiere, die Pferde und die Hühner.
Bevor wir den Tag beendeten, schauten wir bei unseren Freunden vorbei, dem Puter Daniel, der heute wieder schön blau leuchtete, eine Farbe, die für Entspannung steht. Er sah auch ziemlich relaxed aus und bekam ein paar Salatblätter. Die Hühner waren ein bisschen verwöhnt, sie bekamen jeden Tag etwas aus dem Garten. Ich konnte jedem nur empfehlen, einen Holunder im Auslauf der Federfreunde zu pflanzen.
Die Büsche wachsen schnell, bieten den Vögeln Schutz vor Greifvögeln, einen kühlen Rückzugsort und sogar ein Sandbad. Den hübschen Duft und die Blüten können wir natürlich auch ernten. Ich hoffte, das Video hatte gezeigt, wie bunt und vielfältig der Garten sein kann, und ich war schon gespannt, was die kommenden Monate bringen würden, wenn all das Gemüse wuchs und reifte.


