Ich sah meinen Mann um 4 Uhr morgens zur Arbeit fahren, wie er kurz stehen blieb, um die Scheiben freizukratzen. Dann stand das Auto die ganze Zeit da, Licht an, und er ging nicht ans Telefon. Ich…

Ich sah meinen Mann um 4 Uhr morgens zur Arbeit fahren, wie er kurz stehen blieb, um die Scheiben freizukratzen. Dann stand das Auto die ganze Zeit da, Licht an, und er ging nicht ans Telefon. Ich...

Die Ehefrau sah vom Wohnzimmerfenster aus, wie ihr Mann zur Arbeit gehen wollte. Es war vier Uhr morgens, bitterkalt, Schnee lag. Sie machte sich keine Sorgen, als er kurz stehen blieb, um die Scheiben freizukratzen. Doch dann stand das Auto immer noch da, mit eingeschaltetem Licht, und er ging nicht ans Telefon.

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Sie lief nach draußen und fand ihn leblos auf dem Fahrersitz. Er war angeschnallt. Die Scheibe neben ihm war zerstört, und die Beifahrerscheibe wies Einschüsse auf. Ein Schuss hatte ihn getroffen, zwei weitere waren danebengegangen.

Es gab keine Waffe im Auto, keine Hülsen. Für die Polizei war sofort klar: Das war kein Suizid, das war Mord. Abdullah S. war 41 Jahre alt, ein syrischer Flüchtling, der seit 2015 in Fulda lebte, integriert, Vater von fünf Kindern.

Der Bruder des Toten nannte schnell einen Namen: Mohammad H. , ein enger Freund aus gemeinsamen Fluchttagen. Die Freundschaft war vor etwa einem Jahr zerbrochen. Mohammad hatte damals gesagt, er glaube, Abdullah habe ein Verhältnis mit seiner Frau.

Er behauptete sogar, Beweise zu haben, eine Kamera, die er in der Küchenlampe installiert habe. Die Ermittler überprüften den Verdächtigen. Mohammad H. war nicht integriert, jobbte gelegentlich, galt als Familienoberhaupt, das mit harter Hand regierte.

In der Tatnacht war er nicht zu Hause. Und dann der entscheidende Hinweis: Am Morgen des 15. Februar hob er Geld an einem Automaten in Neuhof ab, nur 15 Kilometer vom Tatort entfernt, während sein Wohnort mehr als 300 Kilometer westlich lag. Mohammad wurde festgenommen.

In seiner Wohnung fanden die Beamten tatsächlich eine Kamera in der Küchenleuchte, gekoppelt mit seinem Smartphone. Gespeicherte Videos gab es nicht, aber an der Garderobe hing die Jacke, die er laut Videoauswertung zur Tatzeit getragen hatte. Auf den Ärmeln und in den Taschen fanden sich Schmauchpartikel – ein Indiz, aber kein Beweis. Der Durchbruch kam über ein Auto.

Fotos auf Mohammads Handy zeigten einen silbernen Ford Focus, den er scheinbar für den Verkauf vorbereitet hatte. Diesen Wagen hatte er einem Verwandten geschenkt. Der Stand des Tachos zeigte eine Bewegung von exakt 326 Kilometern – der genauen Entfernung zwischen seinem Wohnort und einem Parkplatz in Fulda, nur einen Kilometer vom Tatort entfernt. Mantrailerhunde folgten der Spur des Verdächtigen von der Scheune bis nach Neuhof, wo er mit einem Taxi geflohen war, das er sich aus einer Apotheke hatte rufen lassen.

Anschließend fuhren die Hunde denselben Weg noch einmal – mit einer Geruchsprobe des Projektils, das im Kopf des Opfers steckte. Sie liefen exakt denselben Weg. 13 Kilometer. Das war der fehlende Beweis.

Im Prozess versuchte der Angeklagte, die Tat als Affekthandlung darzustellen. Er sei nur für ein klärendes Gespräch gekommen, habe die Wohnung nicht gefunden und deshalb abseits geparkt. Als Abdullah ihn ausgelacht habe, habe er geschossen. Die Staatsanwältin glaubte ihm nicht.

Warum gab er Waffe mit, wenn er nur reden wollte? Warum wartete er die ganze eisige Nacht, statt zu klingeln? Die Familie des Opfers verweigerte die Aussage, das Mordmerkmal der niederen Beweggründe fiel weg. Doch das Gericht entschied: Mohammad H.

hatte sich an das Auto geschlichen und aus nächster Nähe geschossen, aus einem toten Winkel. Er wurde wegen Mordes aus Heimtücke zu lebenslanger Haft verurteilt. Im Januar 2021 entdeckte ein Mitarbeiter der Obdachlosenunterkunft Benedikt-Labre-Haus in Trier den leblosen Körper einer älteren Frau auf einer Baustelle direkt daneben. Sie lag neben einem Baucontainer, halbleere Bierflaschen, Dosen, Zigarettenkippen lagen verstreut.

An der Containerwand fanden sich Blutspritzer. Die Frau hatte schwere Kopf- und Gesichtsverletzungen, außerdem frische Spermaspuren. Sie war an Unterkühlung gestorben, nachdem sie stundenlang schwer verletzt liegen gelassen worden war. Die Verstorbene war Edith B.

, 63 Jahre alt. Nach dem Tod ihres Mannes hatte sie immer mehr getrunken, lebte in der Trinkerszene, war mittellos. Ihre Geldbörse war leer – sie hatte an dem Tag genau 1,20 Euro besessen, das Wechselgeld von einem Fünf-Euro-Schein, den ihr ein Bekannter geschenkt hatte, um Bier zu holen. Die Ermittler werteten Überwachungsvideos aus.

In der Tatnacht sah man zwei Personen zum Tatort gehen. Die Frau wurde gestützt, aber nicht gezwungen. Der Unbekannte hatte einen auffälligen Gang: rechter Arm schwang deutlich, der linke blieb am Körper kleben. Am selben Abend ging er noch sechsmal zum Tatort zurück.

Die Spurensicherung fand an der Geldbörse einen Fingerabdruck, an der Bierflasche eine Mischspur aus DNA von Edith und einem unbekannten Mann. Diese DNA war bereits von einem versuchten Raub aus der Gegend bekannt. Der Mann hieß David T. , 32 Jahre, aus Eritrea geflüchtet, wohnte direkt neben der Obdachlosenunterkunft.

Er wurde befragt, gab eine DNA-Probe ab, und sein Gang passte exakt zu den Aufnahmen. Eine Woche nach der Tat war der Fall geklärt. David T. wurde zu 12 Jahren Haft verurteilt, dazu Sicherungsverwahrung wegen hochgradiger Gewaltbereitschaft.

Edith B. hatte gewaltsamen Geschlechtsverkehr mit ihm gehabt, war dann brutal geschlagen und getreten worden und erfror später, unfähig, Hilfe zu holen. Im Oktober 2004 wurde auf einer abgelegenen Straße bei Quakenbrück ein schwer verletzter Junge gefunden, ein 13-Jähriger. Die Ermittler stellten schnell fest: Er war mit einem Messer angegriffen worden, 25 Stichverletzungen, die meisten im Rücken.

Er überlebte schwer verletzt. Neben der Straße stand ein leeres Taxi mit laufendem Motor. Die Fahrerin, Martina T. , 39 Jahre alt, wurde wenig später im See gefunden – tot, mit 19 Stichen, 17 davon tief und mit großer Wucht geführt.

Die Polizei fand heraus, dass Martina T. auf dieser Straße nie hätte fahren dürfen – ein Kollege war dort bereits überfallen worden. Ihr letzter Anruf kam von einer Telefonzelle am Marktplatz. Zwei Pärchen meldeten sich als Zeugen: Einer hatte gesehen, wie ein Mann in das Taxi stieg, der andere beschrieb einen unheimlich wirkenden Mann, der herumstand.

Ein Phantombild wurde erstellt. Auf der Beerdigung von Martina T. fiel dem Leiter der Mordkommission ein Detail auf: Das Phantombild sah ihrem Sohn verblüffend ähnlich. Nach der Beerdigung suchte die Polizei den 20-jährigen Alexander N.

auf. Er gestand sofort. Er hatte die Kasse eines Dartvereins veruntreut, 750 Euro, und seine Mutter sollte vor Gericht eine falsche Aussage machen. Sie hatte zugesagt, dann aber abgelehnt.

Alex fühlte sich verraten. Er rief das Taxi seiner Mutter an, stieg ein, erklärte, ihm sei übel. Als sie anhielten, forderte er sie erneut auf zu lügen. Sie weigerte sich, da stach er zu.

Als er das Taxi durchsuchte, um einen Raubmord vorzutäuschen, kam Carsten F. dazu und wurde Zeuge. Alex zog ihn vom Fahrrad und stach ohne Zögern auf ihn ein. Vor Gericht behauptete er, er habe seine Mutter nur einschüchtern wollen.

Die Staatsanwältin glaubte ihm nicht. Er wurde wegen Mordes und versuchten Mordes nach Jugendstrafrecht zu zehn Jahren Haft plus Unterbringung in der Psychiatrie verurteilt, wo er kurze Zeit später untergebracht wurde. Im Jahr 2008 wurde in Osnabrück ein Mann in seiner Wohnung erschossen. Markus K.

, 38, Manager, war an dem Tag aus den USA zurückgekehrt. Er wurde mit acht Schüssen getötet, sieben davon im Rücken. Es gab keine Kampfspuren, nichts wurde durchwühlt, keine Einbruchsspuren. Die Polizei vermutete schnell: Der Täter hatte einen Schlüssel.

Die Lebensgefährtin, Maren M. , war die einzige Person mit Motiv und Zugang. Sie behauptete, am Tatmorgen in Bremen gewesen zu sein, dann ein Essen zubereitet zu haben, danach ihren Liebhaber Andre Getroffen zu haben. Sie erzählte von einem mysteriösen Mann mit russischem Dialekt und einem roten BMW, der sich nach Markus erkundigt hätte.

Die Polizei glaubte ihr nicht konsequent, hatte aber keine Beweise. Dann meldete sich der Friseur von Maren. Und was er erzählte, klang wie ein Krimi: Maren habe ihm Tage vor der Tat geweissagt, dass Markus am 24. Juli getötet werden würde.

Ein russischer Auftragsmörder mit einer Kleinkaliberwaffe solle es tun, mit einem Schlüssel, den sie vorher verstecken würde. Maren und Andre würden sich ein Alibi verschaffen, um unverdächtig zu sein. Die Ermittler überprüften alles. Die Verbindungsdaten von Andres‘ Telefon lieferten tatsächlich den Namen Marina.

Marina S. hatte eine sexuelle Beziehung zu Andre. Und Marina hatte einen Neffen, Wadim S. , einen russischstämmigen Mann mit Vorstrafen, der sich an dem Tag krank gemeldet hatte, aber dessen Handy am Tatort eingeloggt war.

Alle vier wurden festgenommen. Die Tatwaffe wurde nie gefunden. Maren, Andre und Wadim wurden zu lebenslanger Haft verurteilt, Marina zu sechs Jahren wegen Beihilfe. Was Maren zum Plaudern brachte?

Narzissmus. Sie wollte bewundert werden und konnte deshalb nicht schweigen. Im Juli 2014 wurde an einem schönen Sommertag ein Rentner in seinem Haus in Trebenow in der Uckermark erschlagen. Karl Heinz D.

war alleinstehend, lebte allein nach einem Schlaganfall und bekam sein Essen geliefert. Als der Lieferdienst nach zwei Tagen das Essen noch immer auf der Fensterbank fand, wurde der Nachbar gerufen, der einen Schlüssel hatte. Er fand Karl Heinz D. im Bett, mit Blut im Schlafzimmer, den Oberkörper unter der Decke versteckt.

Die Tatwaffe lag im Bett: ein abgebrochener Axtstiel. Eine schwere Axt, ein massives Gerät, das bei den Schlägen zerbrach. Die Wohnung war nicht durchsucht, aber gezielt an bestimmten Stellen: Einzelne Schubladen und Schränke waren geöffnet, andere nicht. Der Täter wusste offenbar, wo er suchen musste.

Es fehlten Uhren und Bargeld aus einer Kassette. Peter Können und sein Team stellten fest, dass Karl Heinz D. Jahre zuvor über eine Anzeige eine Frau mit Sohn kennengelernt hatte. Die Frau und der Sohn hatten eine Zeit lang bei ihm gelebt.

Der Sohn, Steffen K. , war früh straffällig geworden, hatte Raubüberfälle begangen, oft mit Stumpfwaffen. Er saß dafür im Gefängnis. Steffen K.

, 25, wurde festgenommen. Seine DNA befand sich am Axtstiel. An einer Tankstelle zwischen Tatort und Berlin fanden die Ermittler Videoaufnahmen: Steffen K. und sein Mitbewohner kauften Zigaretten und Cola, als wäre nichts passiert – Stunden nach dem Mord.

Ein ganz normaler Tag für sie. Sie gestanden aus Habgier. Die Beute war lächerlich: ein alter Renault und etwas Schmuck, für den sie 125 Euro bekamen. Der einzige Grund für den Mord waren die Bedürftigkeit und der Hass eines Mannes, der ein Kind von seinem Ziehvater geliebt und gefördert worden war.

Steffen K. und sein Komplize wurden zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Beamten fanden es bis heute schwer zu begreifen: Für den Wert von ein paar Flaschen Bier und einem kaputten Auto musste ein Mann sterben.