Ich sollte an diesem Abend nur nach Hause fahren, eine Strecke, die ich hundertmal gefahren bin. Stattdessen fand man am nächsten Morgen mein Auto gegen einen Baum gedrückt, meine Kleidung…

Ich sollte an diesem Abend nur nach Hause fahren, eine Strecke, die ich hundertmal gefahren bin. Stattdessen fand man am nächsten Morgen mein Auto gegen einen Baum gedrückt, meine Kleidung...

Der 21-jährige Student Jason Landry macht sich am Abend des 13. Dezember 2020 auf den Weg zu seinen Eltern nach Missouri City. Eine Strecke, die er schon oft gefahren ist. Doch diesmal kommt er nie zu Hause an.

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Stattdessen findet man sein beschädigtes Auto, seinen Rucksack und seine Kleidung. Von Jason selbst fehlt jede Spur. Jason ist das jüngste Kind von Kent und Lisa Landry. Sein Vater ist Anwalt und Pastor, seine Mutter arbeitet in einer Bibliothek.

Jason wird als offen, humorvoll und herzlich beschrieben. Er liebt Musik, spielt Posaune in der Jazzband seiner Highschool und interessiert sich später für Tontechnik. An der Texas State University wird er in ein entsprechendes Programm aufgenommen. Neben Musik mag er Autos, Tiere und ausgefallene Socken.

Er raucht regelmäßig Marihuana, aber seine Freunde betonen, dass der Konsum in seinem Leben keine große Rolle spielt. Während der Coronapandemie verändert sich Jason. Er ist isoliert in seinem kleinen Apartment, kann seine Freundin nicht sehen. Sein Vater sagt später, dass diese Isolation für den extrovertierten Jason das Schlimmste war, was man ihm antun konnte.

In dieser Zeit konsumiert Jason viel Marihuana und beschäftigt sich zunehmend mit spirituellen und mystischen Themen. In Nachrichten an Freunde schreibt er davon, mit Hilfe von Drogen Gott gefunden zu haben. Sein Freund Jack Frank merkt, dass Gespräche mit Jason schwieriger werden. Sie ergeben nicht mehr wirklich Sinn.

Jason spricht meistens über Aliens, Jesus oder Elon Musk und versucht, diese Themen miteinander zu verbinden. Zwischen dem 8. und 13. Dezember 2020 sucht Jason im Internet danach, wie lange man ohne Essen im Wald überleben kann, nach Marihuana-Sorten und Psychedelika.

Er hat sein erstes Semester beendet und will über die Feiertage nach Hause fahren. Seine Mutter telefoniert am Tag davor mit ihm. Für sie klingt er aufgeregt, aber normal. Am Abend des 13.

Dezember telefoniert Jason noch 45 Minuten per Facetime mit einem Freund. Er wirkt leicht high, aber gut gelaunt. Während des Telefonats dreht er sich mehrere Joints. Danach packt er seine Sachen: Playstation, Controller, Laptop, Rucksack, die Joints und seinen Kampffisch Sparky in einem Plastikbecher.

Obwohl es in Texas kalt ist, trägt er nur T-Shirt, Shorts, Sandalen und Spongebob-Socken. Gegen 22:55 Uhr verlässt er sein Apartment und fährt los. Er nutzt eine Navigations-App. Gegen 23:24 Uhr passiert ihm ein entscheidender Fehler in Luling.

Statt rechts auf die Magnolia Avenue abzubiegen und Richtung Interstate 10 zu fahren, fährt er geradeaus weiter auf die Salt Flat Road. Das ist eine ländliche, unbeleuchtete Schotterstraße durch Ölfelder. Während der Fahrt öffnet er Snapchat. Um 23:28 Uhr schickt er seiner Ex-Freundin ein Selfie aus dem Auto.

Das ist sein letztes gesichertes Lebenszeichen. Etwa eine Stunde später, gegen 0:30 Uhr, entdeckt ein freiwilliger Feuerwehrmann ein beschädigtes Auto an der Salt Flat Road. Es ist Jasons Nissan Altima. Der Wagen steht gegen einen Baum gedrückt, in die falsche Richtung ausgerichtet.

Die Heckscheibe ist zerstört. Die Schlüssel stecken im Zündschloss, die Scheinwerfer leuchten. Von Jason fehlt jede Spur. Der Feuerwehrmann meldet der Polizei, dass er auf der Straße Schuhe und Kleidung gefunden habe, aber keinen Fahrer.

Gegen 255 Metern vom Auto entfernt liegt Jasons Rucksack am Straßenrand. Darin: Portemonnaie, Laptop und die Joints. In der Nähe steht der Plastikbecher mit seinem Kampffisch Sparky, der bereits tot ist. Ein Stück weiter liegen Jasons Kleidungsstücke auf der Straße: rotes T-Shirt, schwarze Shorts, graue Unterwäsche mit einem kleinen Blutfleck, Sandalen, Uhr und seine Spongebob-Socken.

Für die Ermittler ergibt das keinen Sinn. Es gibt keine Hinweise auf einen Unfall mit einem zweiten Fahrzeug. Man geht davon aus, dass Jason ohne Fremdeinwirkung von der Fahrbahn abgekommen und gegen einen Baum geprallt ist. Jason selbst bleibt verschwunden.

Er ist ohne Kleidung in die Dunkelheit marschiert. Gegen 2 Uhr hält Kent Landry einen Anruf von einem Beamten. Der berichtet ihm von dem Unfall, dem verlassenen Auto und den Drogen im Rucksack. Kent macht sich sofort auf den Weg nach Luling, mit warmer Kleidung und Decken.

Gegen 5:30 Uhr findet er an Jasons Auto das Handy zwischen Fahrersitz und Mittelkonsole. Als er an der Salt Flat Road ankommt, sind keine Ermittler mehr vor Ort. Der Bereich ist nicht abgesperrt, Gegenstände liegen noch auf der Straße. Kent beginnt selbst nach Spuren zu suchen.

Er ist enttäuscht darüber, dass die Ermittler die wichtigsten Stunden verstreichen ließen. Jason wird offiziell als vermisst gemeldet. Am 18. Dezember übernimmt das Caldwell County Sheriff’s Office den Fall.

Zahlreiche Behörden sind beteiligt, auch das FBI. Im Auto finden sich keine Hinweise auf einen Kampf, keine Blutspuren, keine fremde DNA. An Jasons Shorts wird eine kleine Menge Blut gefunden. Man vermutet, dass er sich beim Unfall oder an einem Stacheldrahtzaun verletzt hat.

Warum Jason nach Luling gefahren ist, bleibt unklar. Er kennt dort niemanden. Man vermutet, dass er die Ausfahrt verpasst hat, weil er durch Snapchat abgelenkt war oder das Handy zwischen Sitz und Mittelkonsole gefallen ist. Für die Ermittler ist Jasons Marihuana-Konsum die wichtigste Spur.

Als sie seine Google-Suchanfragen zu Psychedelika und Überleben im Wald finden, zeichnet sich für sie ein Bild ab: Er ist in den Wald gerannt. Die Familie ist enttäuscht, dass die Polizei nur in diese Richtung ermittelt und Jason öffentlich auf seinen Drogenkonsum reduziert. Mehr als 100 Freiwillige suchen das Gebiet ab. Drohnen, Hubschrauber, Flugzeuge und Taucher werden eingesetzt.

Über 12. 000 Hektar werden abgesucht. Eine wichtige Spur führt zu einem Teich, etwa 900 Meter vom Unfallort entfernt. Mehrere Suchhunde schlagen dort an, ein Sonargerät meldet ein mögliches Objekt.

Eine stundenlange Suche bleibt erfolglos. Als der Teich ausgepumpt wird, ist klar: Jason ist nicht dort. Die Hunde hatten seine Spur bis zum Teich verfolgt, dann verlief sie im Sand. Später wird vermutet, dass chemische Stoffe aus der Ölproduktion die Hunde irritiert haben könnten.

Bewiesen ist das nicht. Nach neun Tagen endet die erste große Suche. Jason wird nicht gefunden. Seine Familie rätselt weiter.

Es gibt keine Zeugen, keine fremden Handys in der Funkzelle. Im Dezember 2023 erklärt die Polizei, die Cold Case Unit habe hunderte Stunden investiert, aber keine Antwort auf Jasons Verbleib gefunden. Die Familie stellt eine Belohnung von 10. 000 Dollar aus.

Es gibt mehrere Theorien. Die erste: ein Alleinunfall. Jason ist auf der geraden Schotterstraße von der Fahrbahn abgekommen. Möglicherweise hat er nach seinem Handy gegriffen und die Kontrolle verloren.

Danach hat er das Auto verlassen, seinen Rucksack abgelegt und seine Kleidung ausgezogen. Das könnte zum sogenannten paradoxen Entkleiden passen: Bei schwerer Unterkühlung kommt es vor, dass Betroffene plötzlich glauben, ihnen sei heiß, und sich ausziehen. Aber zwischen Jasons letztem Lebenszeichen und dem Fund des Autos liegt nur eine Stunde – ein zu kurzer Zeitraum. Eine Kopfverletzung hätte das verändern können, aber an seiner Kleidung gab es keine Blutspuren.

Die Polizei veröffentlicht später einen Bericht, in dem sie schreibt, Jason sei kurz nach dem Unfall an Unterkühlung verstorben und ein psychischer Ausnahmezustand durch Drogenkonsum könne nicht ausgeschlossen werden. Offen bleibt, warum Jason nicht versucht hat, Hilfe zu holen, und warum man ihn nie gefunden hat. Manche glauben, Jasons Leiche wurde von Tieren zerlegt und über ein größeres Gebiet verteilt. In der Gegend gibt es Wildschweine, Kojoten und Geier.

Aber die Suche begann schnell, und Ermittler sagen, die Spürhunde hätten trotzdem anschlagen müssen. Die zweite Theorie: Jason wurde Opfer eines Verbrechens. Der pensionierte FBI-Agent Abel Peña denkt, dass andere Personen beteiligt sein könnten. Für ihn ist der Moment in Luling wichtig: Jason verpasst nicht nur eine Abzweigung, sondern fährt mehrere Meilen auf einer abgelegenen Straße weiter, ohne anzuhalten oder zu wenden.

Peña vermutet, dass Jason verfolgt wurde oder dass ihm jemand befohlen hat, an einen bestimmten Ort zu fahren. Sein Team befragt viele Menschen aus der Gegend. Dabei stellt sich heraus, dass es dort Kriminelle und viel Drogenhandel gab. Vielleicht ist Jason auf die falschen Leute gestoßen.

Die Lage der Kleidungsstücke wirkt für Peña nicht so, als hätte sich Jason in verwirrtem Zustand ausgezogen. Er hält es für möglich, dass jemand die Kleidung bewusst platziert hat. Wenn Jason Opfer von organisierter Kriminalität wurde, würde das erklären, warum man seine Leiche nie gefunden hat. Die Behörden widersprechen: Auf Jasons Handy gab es keine Hinweise auf Kontakte nach Luling oder auf Drogenhandel.

Eine ähnliche Theorie besagt, dass Jason nach dem ersten Unfall in einen weiteren Unfall geraten ist. Vielleicht wurde er von einem Fahrzeug erfasst, dessen Fahrer in Panik geriet und den Körper versteckte. Das würde erklären, warum er nicht gefunden wurde. Aber es gibt keine weiteren Hinweise darauf.

Bis heute bleibt Jasons Verschwinden ein Rätsel. Klar ist jedoch: Wenn die Polizei von Anfang an gründlicher ermittelt hätte, wäre es vielleicht zu einer Aufklärung gekommen. Der Unfallort wurde nicht abgesperrt, das Auto nicht weiter untersucht, kaum Spuren gesichert. Kent war derjenige, der Jasons Handy fand und auf weitere Ermittlungen drängen musste.

Selbst Captain Jeff Ferry räumt später ein, dass am Anfang vieles falsch gelaufen ist. Jasons Eltern sind bis heute enttäuscht und verärgert. Sie hoffen, dass sein Verschwinden eines Tages noch aufgeklärt wird, und versuchen, ihn nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.