Ich habe fassungslos zugesehen, wie die Leute damals die Geschichte glaubten. „Sie war betrunken und ist ins Wasser gefallen“, sagten alle. Aber ich habe die Zeugenaussagen gelesen, die in den…

Ich habe fassungslos zugesehen, wie die Leute damals die Geschichte glaubten. „Sie war betrunken und ist ins Wasser gefallen“, sagten alle. Aber ich habe die Zeugenaussagen gelesen, die in den...

November 1981, vor der Küste Kaliforniens. Die Segeljacht Splendor treibt auf dem offenen Wasser, nachdem die Besatzung einen Landgang hinter sich hat. An Bord ist echte Prominenz versammelt: Oscar-Preisträger Christopher Walken, sein Kollege Robert Wagner und die dreifach Oscar-nominierte Schauspielerin Natalie Wood. Eine dieser vier Personen wird die Splendor nicht lebend verlassen.

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Was in dieser Nacht wirklich geschah, ist bis heute nicht geklärt – doch viele sind sich sicher, dass mindestens eine Person nicht die Wahrheit sagt. Natalie Wood und Robert Wagner spielten in Hollywood ganz oben mit. Die beiden waren seit Jahren ein Paar und führten eine Vorzeige-Ehe. Es war vor allem Natalie, die von Kritikern und Fans gleichermaßen gefeiert wurde.

Spätestens mit ihrer Rolle in West Side Story war sie in der A-Liga angekommen. Drei Oscar-Nominierungen und acht Golden-Globe-Nominierungen sprachen für sich, und bei den Golden Globes hatte sie bereits dreimal gewonnen – zuletzt 1980, nur ein Jahr vor der verhängnisvollen Fahrt. Das Boot gehörte ihrem Ehemann Robert. Sie begleitete ihn gern auf Ausflügen, meist in Richtung Catalina Island, die etwa 35 Kilometer vor der Küste Kaliforniens liegt.

Auch um Thanksgiving 1981 herum planten Natalie und Robert eine mehrtägige Ausfahrt mit der Splendor. Sie luden oft Freunde und Kollegen zu ihren Bootstouren ein. Doch als Natalie herumtelefonierte, hatte niemand so richtig Lust mitzukommen. Das Wetter war damals nicht gerade gut, und ohne Sonnenschein und Windstille auf einer Segeljacht zu schippern, erschien vielen nicht verlockend.

Einer sagte aber zu: Christopher Walken. Er stand gerade mit Natalie für den Film Brainstorm vor der Kamera. Zwei Jahre zuvor hatte er seinen Oscar gewonnen und war entsprechend hoch im Kurs. Seit den Dreharbeiten zu Brainstorm machten Gerüchte die Runde, dass zwischen Christopher und Natalie auch abseits der Kamera etwas laufen könnte.

Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – begleitete Christopher das Ehepaar auf dem Bootsausflug Ende November. In einigen Quellen heißt es, Robert sei schon vorher so eifersüchtig auf Christopher gewesen, dass er nur deshalb am Set von Brainstorm auftauchte, um sicherzugehen, dass Natalie nichts mit ihrem Co-Star anfing. In anderen Berichten wird behauptet, der Yachtausflug sei das erste Aufeinandertreffen der beiden Männer gewesen. Natalie selbst soll ebenfalls eifersüchtig gewesen sein – auf eine Kollegin namens Stephanie Powers, die damals an Roberts Seite in einer Serie spielte und ihm für Natalies Geschmack etwas zu nah gekommen sein soll.

Am 27. November 1981 stach die Splendor mittags in See. Es sollte zur Catalina Island gehen, wie schon dutzende Male zuvor. Die Tage verbrachte man auf der Insel mit Restaurantbesuchen, Drinks und Shopping.

Genauso liefen der 27. und 28. November ab. Am Abend des zweiten Tages saßen Natalie, Robert, Christopher und der Bootskapitän Dennis auf Catalina Island in einem Restaurant.

Es floss ziemlich viel Champagner. Die Männer tranken Daiquiris, außerdem leerten die vier zusammen zwei Flaschen Rotwein und zwei Flaschen Champagner. Dem Restaurantchef fiel auf, wie hoch der Alkoholpegel in der Runde war. Dass diese Gruppe noch irgendwie ihr Beiboot zurück zur Yacht manövrieren musste, bereitete ihm ein schlechtes Bauchgefühl.

Er alarmierte einen Freund bei der Küstenwache und bat ihn, ein Auge auf die Hollywood-Gruppe zu haben. Nur etwa eine halbe Stunde später sendete die Yacht einen Funkspruch: „Hier ist die Splendor. Wir brauchen Hilfe. “ Dann passierte zwei Stunden lang nichts.

Niemand reagierte, und es kamen auch keine weiteren Kontaktversuche. Erst um 3:30 Uhr am Morgen des 29. November ging bei der Küstenwache ein Hilfegesuch ein: Eine Person sei von Bord gegangen. Man begann sofort mit der Suche.

Die Hoffnung war zunächst groß, denn auch das Beiboot der Splendor war verschwunden. Vielleicht trieb die gesuchte Person ja nur orientierungslos vor der Küste herum. Doch gegen 8 Uhr morgens wurde ein treibender Leichnam entdeckt, vor einer abgelegenen Bucht des Blue Heaven Point. Natalie Wood wurde leblos aus dem Wasser gezogen.

Sie trug nur ein Nachthemd, einen Mantel darüber und ein paar Wollsocken. Bei der Obduktion stellte der Gerichtsmediziner fest, dass Natalie zum Zeitpunkt ihres Todes 1,4 Promille im Blut hatte. Zudem wies ihr Körper mehrere Prellungen an Armen, Beinen und im Gesicht auf. Die Gerichtsmedizin deutete das als Hinweis auf einen Sturz: Natalie sei beim Versuch, vom Boot auf das Beiboot zu steigen, gestürzt.

Todesursache: tragischer Unfall. Diese Version deckte sich mit den Aussagen der drei anderen Personen an Bord – Robert, Christopher und Kapitän Dennis. Doch es gab viele Dinge in diesem Fall, die merkwürdig waren. Eine davon war, dass der Gerichtsmediziner den Promillewert zunächst geheim hielt.

Erst zwei Wochen zuvor hatte er wegen einer ähnlichen Aussage im Fall des Schauspielers William Holden heftige Kritik eingesteckt – Holden war nur wenige Tage vor Natalie gestorben, ebenfalls unter Alkoholeinfluss. Der Mediziner wollte sich wohl keine weitere Blöße geben. Später wurde bekannt, dass es in der Nacht vor Natalies Tod einen heftigen Streit zwischen ihr und Robert gegeben hatte. Kapitän Dennis bestätigte das.

Es sei allerdings nicht um Eifersucht wegen Christopher gegangen, sondern darum, wo die beiden über Nacht das Boot ankern wollten. Robert wollte die Splendor um die Insel herumsteuern lassen, Natalie wollte nicht, dass die Yacht im Dunkeln noch bewegt wurde. Dennis bot schließlich an, Natalie zurück aufs Festland zu bringen. Natalie und Dennis fuhren im Beiboot zur Insel und checkten in zwei getrennten Hotelzimmern ein.

Natalie weinte sich in dieser Nacht bei Dennis aus und sagte, sie wolle sich vielleicht doch wieder von Robert trennen. Am nächsten Morgen entschied sie sich aber, zurück zur Yacht zu fahren. In der Nacht vom 28. auf den 29.

November hörten Zeugen, die mit ihrer eigenen Yacht in der Nähe ankerten, gegen Mitternacht mehrere Rufe von der Splendor. Eine Frauenstimme schrie um Hilfe. Darauf antwortete eine Männerstimme: „Okay, Liebling, wir holen dich. “ Die Stimme klang nicht panisch oder besorgt, sondern eher spöttisch, als hätte der Mann nicht die geringste Absicht, zu helfen.

Kapitän Dennis berichtete später von großer Eifersucht an Bord. Robert sei völlig eifersüchtig auf Christopher gewesen, und mit steigendem Alkoholpegel sei auch die Eifersucht gewachsen. Natalie habe sich nach dem Landgang noch einmal in die Bootsküche gesetzt, wo Robert und Christopher saßen. Sie habe mit Christopher getuschelt, woraufhin Robert ausgerastet sein soll.

Er habe eine Weinflasche gegriffen und sie kaputtgeschlagen. Er habe Christopher angeschrien: „Herr Gott, was hast du vor? Willst du meine Frau? “

Natalie sei daraufhin in ihr Schlafzimmer gegangen, Christopher in seine Kabine.

Robert sei Natalie nachgegangen. Dennis hörte einen lauten Streit aus der Kabine – sie hätten sich angeschrien und Gegenstände durch den Raum geworfen. Der Streit habe sich dann auf das hintere Außendeck des Bootes verlagert. Dann sei es plötzlich still geworden, so als sei eine der Streitparteien auf einmal ganz still geworden oder über Bord gegangen.

Im Jahr 2011 wurden die Ermittlungen neu aufgerollt. Die Gerichtsmedizin änderte die Todesursache von Natalie Wood von „Unfall“ auf „Ertrinken unter unbestimmten Umständen“. Die Prellungen an ihrem Körper deuteten darauf hin, dass sie kurz vor ihrem Tod misshandelt worden war. Zudem hatte sie keinerlei Kopfverletzung, die einen Sturz ins Wasser erklärt hätte.

Robert Wagner verweigerte seine Aussage gegenüber der Polizei. Christopher Walken hingegen sagte aus, bestand aber darauf, dass Natalies Tod ein tragischer Unfall gewesen sei. Robert und Natalie hätten sich zwar gestritten, sich aber wieder vertragen. Die zentrale Frage blieb: Warum wartete man so lange, bis man die Küstenwache informierte?

Selbst wenn Natalie wirklich mit dem Beiboot an Land fahren wollte – sie war Nichtschwimmerin, hatte panische Angst vor Wasser und war stark betrunken. Man hätte sofort Hilfe holen müssen. Robert soll Dennis in jener Nacht laut eigener Aussage gesagt haben, er wolle keine Aufmerksamkeit auf die Splendor lenken, damit keine Gerüchte gestreut würden. Robert Wagner änderte seine Version der Geschichte Jahre später.

In seiner Autobiografie behauptete er, Natalie habe das Beiboot enger an der Yacht befestigen wollen, weil das Geräusch sie gestört habe. Sie sei auf den glitschigen Stufen ausgerutscht. Doch diese Theorie wurde widerlegt – Natalie hatte keine Kopfverletzung. Im Jahr 2018 wurde Robert Wagner offiziell als „Person of Interest“ benannt.

Beweisen konnte man ihm nie etwas. Er ist inzwischen Mitte 90, und mehr als vier Jahrzehnte sind seit Natalies Tod vergangen. Der Fall gilt noch immer als offen. Es wurde nie jemand angeklagt.

Wegen der Verschwiegenheit von zwei der drei Bootspassagiere kann man nur mutmaßen, was in jener Nacht wirklich geschah.