„Hier passiert noch nichts“, sage ich und deute auf die Multitopfplatte mit den Gemüsezwiebeln. „Und hier auch nicht. “ Die blauen Schalen mit Blumenkohl und Salat im Gewächshaus zeigten ebenfalls keine Regung. Draußen lag der Schnee, die Temperaturen fielen nachts unter null, und tagsüber schafften wir gerade mal sechs Grad in dem kalten Raum.

Wenn die Sonne richtig schien, kletterte es immerhin auf fünfzehn Grad, aber das reichte nicht. Ich hatte drei Standorte für unser Anzucht-Experiment gewählt: das Gewächshaus, ein kühles Schlafzimmer auf der Fensterbank und die richtige Anzuchtstation mit Regalen und Lampen. Jetzt wollte ich sehen, wo das Saatgut am besten keimt. Im Gewächshaus war es offensichtlich zu kalt.
Also baute ich ein Gewächshaus im Gewächshaus: Ich stellte die Schalen in eine große Plastikbox und legte den Deckel darauf. „Jetzt bin ich gespannt, wie das weitergeht. “
Eine Woche später ging ich ins Schlafzimmer. Auf der kalten Steinfensterbank standen die Schalen.
Die Gemüsezwiebeln in der Multitopfplatte zeigten noch nichts. Aber beim Salat hatte sich etwas getan – die Keimlinge schoben sich durch die Erde. Auch beim Blumenkohl kamen die ersten Pflänzchen hoch. Die Bodentemperatur lag bei knapp vierzehn Grad.
Das war in Ordnung. Doch dann sah ich mir den roten Eichblattsalat genauer an. Auf den ersten Blick sah es super aus, alle waren gekeimt. Aber sie waren viel zu lang geworden, sie streckten sich alle zum Fenster hin.
Das Licht reichte nicht. „Wenn ich die einfach so stehen lasse, werden sie instabil“, erkläre ich. Selbst wenn ich sie drehe oder später tiefer pikieren würde, bliebe das Problem. Was hier fehlte, war Licht.
Ich könnte eine Tageslichtleuchte installieren und die Beleuchtung morgens und abends verlängern. Das musste ich im Auge behalten. Dann ging es weiter zur Anzuchtstation. Auch hier waren die Gemüsezwiebeln noch unsichtbar, die Bodentemperatur lag bei dreizehn Grad.
Der Blumenkohl hatte dagegen schon gekeimt. Die Pflänzchen waren niedrig und kräftig geblieben – anders als im Schlafzimmer, wo sie wegen Lichtmangels in die Höhe geschossen waren. Hier in der Station stimmten die Bedingungen. Die Lampen hatte ich höher gestellt, um Strom zu sparen, und sie waren gedimmt.
Das Licht war in der Mitte am intensivsten, nach außen hin schwächer. Für unsere Schalen reichte es. Ich griff nach einer Komplettbox mit über hundertsechzig Sorten. Dieses Jahr waren neue Sorten dazugekommen: Punterella, Strohblumen, grüner Blumenkohl, Asia-Salat und die italienische Zwiebel, die nicht scharf war.
Ich freute mich über die Vielfalt, denn früher hätte ich nie gedacht, dass eine Zwiebel nicht einfach eine Zwiebel ist. Inzwischen wusste ich es besser. Dann sprach ich über etwas anderes: den Versand. Es gab gerade eine kleine Verzögerung bei den Bestellungen, manche Sendungen brauchten statt zwei Tagen manchmal eine Woche.
„Wenn es bei euch ganz dringend ist, schreibt mir einfach eine E-Mail“, sagte ich. Ich bat um Geduld, es würde nicht mehr lange dauern. Zurück zum Thema Anzucht: Das Licht war einer der wichtigsten Faktoren. Im Januar und Februar brauchte man im Haus auf jeden Fall eine künstliche Leuchte.
Wir verwendeten in unseren Regalen pro Etage zwei 250-Watt-Lampen für das Wachstum, nicht für die Blütenbildung. Sie waren etwas kühler im Licht und funktionierten seit Jahren gut. Der Abstand zwischen Erde und Leuchte lag bei uns bei etwa vierzig Zentimetern, das zeigte ich mit dem Zollstock. Daneben hatte ich noch eine quadratische Leuchte mit einhundertfünfzig Watt, die sehr hell war, aber in der Mitte am stärksten leuchtete.
Für unsere vielen Pflanzen fuhren wir mit den zwei Lampen besser. Wer solche Leuchten kaufen wollte, sollte im Sommer oder Herbst danach schauen, oft waren sie gerade jetzt vergriffen. Auch die Temperatur spielte eine große Rolle. Es galt das Naturgesetz: Warme Luft steigt nach oben.
In unseren Regalen maß ich unten zwölf Grad, in der Mitte dreizehn und oben vierzehn Grad. Mit einer Leuchte wurde es oben noch wärmer. Deshalb war es wichtig, die Bodentemperatur zwischendurch zu kontrollieren. Wenn es den Pflanzen zu warm wurde, konnten sie wieder lang und wacklig werden.
Dann stellte man sie einfach kühler, zum Beispiel in die untere Etage. Bei der Aufteilung hatte ich meine Erfahrungen: Zwiebelgemüse fühlte sich in der Mitte wohl, wo es mittelwarm war. Salate und Kohlpflanzen mochten es kühler und standen bei uns unten. Fruchtgemüse wie Tomaten, Paprika, Chili, Auberginen und Physalis brauchte es richtig warm zum Keimen, zwanzig bis fünfundzwanzig Grad.
Da wir keine Lichtkeimer waren, benötigten sie zum Keimen kein Licht. Wir legten eine Heizmatte auf die Regale, darunter eine Styroporplatte, und hielten die Erde feucht. Wer nur ein paar Schalen hatte, konnte sie im Haus auf die Fußbodenheizung oder auf die Heizung stellen. Sobald sie gekeimt waren, hieß es: heller und kühler stellen, zwischen fünfzehn und zwanzig Grad.
Sonst wurden die Pflanzen lang, dünn und instabil – genau das Problem, warum Anzuchten von Tomaten oder Paprika oft scheiterten. Zur Gemüsezwiebel kam dann noch eine Frage aus den Kommentaren: Kann man sie einfach in eine Schale säen und später pikieren? Ja, wenn man früh genug dran ist, im Januar oder Ende Januar. Aber man musste bedenken, dass jedes Pikieren Stress bedeutet und das Wachstum hemmt.
Bei Zwiebeln musste man ein bis zwei Wochen Pause einrechnen. Wer erst Ende Februar sät und dann noch pikiert, verschiebt die Ernte um bis zu zwei Wochen. Und die Gemüsezwiebel brauchte ihre Zeit zum Ausreifen und Abtrocknen, bevor man sie aus dem Beet holte. Die Zwiebel in meiner Hand duftete wunderbar.
Sie war nicht so scharf, sondern hatte ein mildes Aroma, und viele waren überrascht, wie lecker sie schmeckte. Wichtig war mir auch der Hinweis: Es ist noch viel zu früh für die meisten Aussaten. Unser Experiment mit den drei Standorten sollte zeigen, was möglich war, wo Probleme auftraten und wie das Saatgut reagierte. Regulär ging es bei uns Mitte Januar mit den Gemüsezwiebeln los, Ende Januar mit den anderen Zwiebeln, Salaten und Kohlsorten.
Diese Aussaten waren für den geschützten Bereich gedacht, also für Gewächshaus oder Tunnel. Die Pflanzung erfolgte Mitte bis Ende März. Von der Aussaat bis zur Jungpflanze konnte man sechs bis acht Wochen einplanen. Die Belohnung war eine frühe Ernte: Salat schon im April, Kohl Ende Mai und Anfang Juni.
Für das Freiland konnte man bis Ende Februar warten, dann begannen die Aussaten für Salat und Blumenkohl. Wenn ich ein Zwischenfazit zog: Im Gewächshaus war nichts passiert, weil es nachts Minusgrade hatte und tagsüber zu kühl blieb. Im Schlafzimmer waren die Lichtkeimer zu hoch geworden, weil es am Licht fehlte. In der Anzuchtstation waren die Bedingungen optimal, und die Ergebnisse sahen entsprechend aus.
Ich war gespannt, wie sich alles weiterentwickeln würde. Ich dankte unseren Kunden für ihre Bestellungen und ihre Geduld. Ein Gruß ging an Jürgen und sein Team, die dafür sorgten, dass alle Sendungen rausgingen und ankamen. In meiner Hand hielt ich ein bisschen Saatguternte vom letzten Jahr.
Die Qualität war großartig. Ja, es brauchte ein bisschen Know-how und Übung, man musste planen und den Dreh herausfinden. Aber man sparte so viel Geld, und es machte Freude, in der Erde zu buddeln, die Pflanzen selbst heranzuziehen und zu ernten. Ich erzählte nichts Neues, aber ich hoffte, dass auch andere diese Freude entdeckten.
Wenn man sich die Preise für gekaufte Jungpflanzen ansah – fünf bis sieben Euro für eine nicht sonderlich große Bio-Tomate oder Paprika –, dann lohnte sich das eigene Vorziehen schnell. Also: durchkalkulieren, planen und einfach anfangen.


