Es war eine Nacht, in der ich dachte, mir sei etwas Schreckliches zugestoßen. Ich stand da, völlig durchnässt und verwirrt, vor einem fremden Bauernhof. Niemand öffnete die Tür. Am nächsten Tag…

Es war eine Nacht, in der ich dachte, mir sei etwas Schreckliches zugestoßen. Ich stand da, völlig durchnässt und verwirrt, vor einem fremden Bauernhof. Niemand öffnete die Tür. Am nächsten Tag...

Mitten in einer kalten Februarnacht im Jahr 2015 klingelt ein völlig durchnässter Mann an der Tür eines abgelegenen Bauernhofs nahe der niederländischen Grenze. Er wirkt verwirrt, beinahe verloren, doch die Bewohner öffnen nicht. Am nächsten Morgen liegt ein Schal vor der Tür – die einzige Spur, die von Arne Hermsen bleibt. An diesem Tag verschwindet der 31-Jährige aus dem kleinen Ort Gennep.

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Ein Mann, der ein ruhiges, unauffälliges Leben geführt hatte, löst sich einfach in Luft auf. Sein letztes Lebenszeichen ist eine Überwachungskamera in einer Bankfiliale, als er 50 Euro abhebt. Danach verliert sich seine Spur vollständig. Arne lebt bei seiner Mutter, arbeitet in Heijen und gilt als hilfsbereit und freundlich.

Doch in den Monaten vor seinem Verschwinden wird er zunehmend in sich gekehrter. Er grübelt über Glaubensfragen, wirkt abwesend, als suche er innerlich nach etwas, das er nicht benennen kann. Niemand macht sich große Sorgen – bis zum 13. Februar.

An diesem Tag erreicht Arne ein Telefonat, das alles verändert. Seine Kollegen beobachten, wie seine Stimmung kippt. Er wirkt aufgewühlt, wie ein völlig anderer Mensch. Sein Chef schickt ihn nach Hause, ahnt nicht, dass er ihn nie wiedersehen wird.

Doch Arne geht nicht nach Hause. Stattdessen läuft er zu Fuß Richtung deutsche Grenze. Die Dunkelheit bricht früh ein, der Himmel ist grau, die Luft eisig. Er trägt eine Jacke und einen Schal, mehr nicht.

Alles wirkt spontan, impulsiv. Er läuft über Feldwege und Straßen, bis er gegen Mitternacht in Hassum an einem Bauernhof klingelt. Als er am nächsten Tag in Goch Geld abhebt, wirkt er ruhig und gefasst – ein scharfer Kontrast zur Nacht zuvor. Es scheint, als hätte er einen Entschluss gefasst.

Danach schaltet er sein Handy aus und meldet sich nie wieder. Als Arne nicht nach Hause kommt, meldet seine Mutter ihn als vermisst. Die Polizei beginnt eine groß angelegte Suche. Felder, Waldstücke, Gräben und Bachläufe werden durchkämmt, Drohnen und Spürhunde eingesetzt.

Doch die Gegend ist weitläufig, und niemand weiß, in welche Richtung Arne sich bewegt hat. Die Spürhunde schlagen in Richtung des historischen Klosterguts Graefenthal an. Dort war zu dieser Zeit eine umstrittene Glaubensgemeinschaft aktiv, deren Anführer später verurteilt wurde. Doch eine eindeutige Spur fehlt.

Die Ermittler prüfen mehrere Szenarien: ein freiwilliges Verschwinden, eine psychische Krise, ein Unfall oder gar ein Verbrechen. Es gibt Hinweise auf innere Unruhe und eine mögliche Depression, doch nichts ist belegt. Arne hätte ohne Vorbereitung untertauchen können – aber er nahm keine persönlichen Gegenstände mit. Er hätte verunglücken können – doch die Suche bleibt erfolglos.

Oder hätte ihm jemand etwas angetan – doch es gibt keinerlei Hinweise darauf. Sein Konto bleibt seit Jahren unberührt, sein Handy ausgeschaltet. Keine Klinik in beiden Ländern nimmt einen Arne Hermsen auf. Es ist, als sei er im Nichts verschwunden.

Besonders seine Mutter lebt zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Mit jedem Jahr schwindet die Wahrscheinlichkeit, ihren Sohn lebend wiederzusehen, doch solange kein Beweis vorliegt, bleibt die Hoffnung. Bis heute ist der Fall Arne Hermsen ungelöst.

Ein Mann geht eines Abends los – und kehrt nie zurück.