Ich stand vor unserem Anzuchtregal und dachte erst, ich hätte mich vertan. Der Blumenkohl, den wir zusammen gesät und pikiert hatten, ließ die Blätter hängen – als würde er mir direkt ins Gesicht…

Ich stand vor unserem Anzuchtregal und dachte erst, ich hätte mich vertan. Der Blumenkohl, den wir zusammen gesät und pikiert hatten, ließ die Blätter hängen – als würde er mir direkt ins Gesicht...

Die Blätter des Blumenkohls hingen schlaff herunter, und jeder, der sich damit auskannte, wusste: Hier stimmt etwas nicht. Wir hatten die Pflanzen zusammen gesät, zusammen pikiert, und trotzdem zeigten sie uns ganz deutlich, dass ihnen etwas fehlte. Also haben wir mit einer halben Dosis Mikrodünger nachgeholfen – und siehe da, schon nach kurzer Zeit sahen die Blätter wieder gesund und kräftig aus. Ein echtes Erfolgserlebnis, wenn man bedenkt, dass wir anfangs unsicher waren, ob das die richtige Entscheidung ist.

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Wir stehen gerade in unserer Anzuchtstation, bei den Jungpflanzen, die hier wie in einem Kindergarten für Gemüse heranwachsen. Überall sprießt es, und besonders die Wärmematten sind gut gefüllt. Paprika und Auberginen in den verschiedensten Sorten keimen dort vor sich hin, denn die Wärme ist entscheidend für eine gute Keimung. Daneben stehen die Kohlpflanzen, die schon langsam ihre ersten richtigen Blätter bekommen.

In ein paar Tagen werden wir mit dem Pikieren beginnen, dann bekommt jede Pflanze ihren eigenen Topf und genug Platz zum Wachsen. Ich zeige euch eine Pflanze: Das ist der Kohlrabi in lila – ein wunderschönes Stadium. Die Vorfreude auf die kommende Saison ist riesig. In der anderen Anzuchtwanne stehen Physalis, Chili und Porree durcheinander.

Die Chilis sehen noch recht zart aus, aber auch sie wachsen fleißig. Die Physalis haben wir vor etwa zwei Wochen gesät – sie sind schon schön ordentlich, aber zum Pikieren noch zu früh. Das dauert noch ein paar Wochen, bis das zweite Blattpaar da ist. Wichtig ist, dass die Temperatur stimmt und die Pflanzen genug Licht bekommen – bei uns sind die Leuchten etwa 14 Stunden am Tag an.

Im mittleren Regal stehen die Gemüsezwiebeln, jede in ihrem eigenen Töpfchen, damit sie sich gut entwickeln können. Direkt daneben wächst die italienische Zwiebel, die wir regelmäßig drehen, damit sie gerade bleibt. Am Rand stehen die Salate – Wintersalat und roter Eichblattsalat – die einfach fröhlich vor sich hin wachsen. Es ist eine Freude, hier durchzugehen und das ganze Grün zu sehen.

Dann ist da noch die Sache mit der Temperatur, zu der uns viele Fragen erreicht haben. Man kann sie nicht einfach am Regler einstellen wie bei einem Backofen, aber wir messen regelmäßig: Im Raum haben wir aktuell etwa 18 Grad. In der Erde sieht es unterschiedlich aus – vorne 17 Grad, hinten 16, in der Mitte 18,5 Grad. Oben ist es durch die Wärme der Lampen etwas wärmer als unten, so wie warme Luft eben nach oben steigt.

In der unteren Etage stehen noch einmal Blumenkohlpflanzen – die, die wir in der ersten Runde pikiert haben. Diesmal haben wir nicht gedüngt und eine etwas andere Erde verwendet, und sie wachsen wunderbar. Interessant, wie unterschiedlich sich ein und dieselbe Aussaat entwickeln kann, nur weil man zu einem anderen Zeitpunkt pikiert und etwas andere Bedingungen schafft. Auf der anderen Seite des Raumes wachsen die Zwiebeln für die beste Selektion.

Dazu kamen Fragen zu unseren Regalkonstruktionen: Einige von euch wollten wissen, wie wir die Rollen angebracht haben, denn die Regale, die wir empfehlen, haben keine dabei. Wir haben uns etwas Tüftlerisches einfallen lassen: In den Regalen ist ein Zollgewinde verbaut, also haben wir ein neues, metrisches Gewinde reingearbeitet und dann passende Rollen montiert. Wenn ihr andere Lösungen habt, schreibt sie gerne in die Kommentare – Austausch ist immer gut. Und weil die Regale nicht in der Breite zusammengebaut sind, haben wir zwei Regale nebeneinander gestellt und mit einem Einsatzboden verbunden.

Dadurch ist eine große Fläche entstanden, aber in der Mitte gibt es eine Vertiefung. Die haben wir mit einer Platte ausgeglichen – die ist allerdings noch nicht optimal und hängt schon ein bisschen durch. Also mein Tipp: Nehmt eine stabilere, härtere Platte, dann hält das besser. Mittlerweile sind wir in der zweiten Februarhälfte angekommen und haben schon viel gesät – aber noch nicht alles.

Es fehlt noch der Sellerie: Stangensellerie und Knollensellerie. Beides sind Starkzehrer und Doldenblütler, mit einer Keimtemperatur von 16 bis 24 Grad – die haben wir hier ideal. Also füllen wir die Anzuchtschälchen mit Aussaaterde. Beim Sellerie ist wichtig: Er ist ein strenger Lichtkeimer.

Anders als beim Salat, wo wir feine Erde über das Saatgut sieben, kommt hier wirklich keine Erde darüber. Das Saatgut ist ganz fein, und wir verteilen es einfach breitwürfig von oben. Nach dem Aussäen wird vorsichtig mit der Sprühflasche angegossen – mit der Gießkanne würden die kleinen Samen nur davonschwimmen. Danach bekommen die Schälchen Plexiglasplättchen, aber wir müssen täglich nachsehen, dass es nicht zu trocken wird und die Plättchen die Keimlinge nicht erdrücken.

Wie das eben so ist, wenn man selbst Jungpflanzen zieht – man schaut eh jeden Tag nach. Den Knollensellerie säen wir im Februar oder März. Er braucht eine Weile, bis er dicke Knollen ausbildet, deshalb sollte man früh genug anfangen. Pikiert wird später auf einzelne Töpfe, damit jede Pflanze genug Platz hat.

Raus kommen sie aber erst später – im April ins Gewächshaus und gepflanzt wird dann so spät wie bei Tomaten. Bei uns im Rheinland war das oft schon Anfang Mai möglich, hier ist es etwas kühler. Und die Gefahr ist real: Wenn Sellerie zu früh rauskommt und Kälte abbekommt, schießt er in Blüte und bildet keine Knolle mehr aus. Das wollen wir unbedingt vermeiden.

Interessant ist auch die Mischkultur: Stangensellerie verträgt sich wunderbar mit Tomaten, Fenchel, Asia-Salaten, Kohl, Haferwurz und Gurken. Nicht so gut mit Kartoffeln und manchem Wurzelgemüse. Der Knollensellerie ist ähnlich – auch er mag Tomaten, Fenchel und Kohl, dazu noch Knoblauch und Porree. Wer das genauer wissen will, findet das auf unserem Mischkulturposter.

Zu den häufigsten Fragen gehören aber auch die Blattläuse. Bei uns sind sie bei den Jungpflanzen kein Thema, weil wir gedämpfte Erde verwenden und keine Zimmerpflanzen im Raum stehen. Wer trotzdem Probleme hat, kann vorbeugend arbeiten – zum Beispiel einmal pro Woche mit einem Auszug aus Kräutern, Chili und Knoblauch, verdünnt mit Wasser, einsprühen. Wer lieber ein fertiges Produkt nutzt, kann unser Pflanzenfit verwenden – bei Jungpflanzen aber unbedingt nur die halbe Dosis.

Und dann die Frage zu den Zwiebeln, die viele beschäftigt: Die Spitzen werden gelblich oder blassbräunlich. Ist das ein Nährstoffmangel? Nein, das ist ganz normal. Das sind künstliche Bedingungen drinnen, selbst mit Licht und Bewegung ist es nur eine Simulation.

Die Verfärbung wächst sich wieder raus, sobald die Zwiebeln draußen stehen. Da müssen wir uns keine Sorgen machen – einfach mit viel Liebe weiterwachsen lassen. Wir machen gerade zwei Videos pro Woche und zeigen euch, wie es bei uns von Woche zu Woche aussieht. Gefällt euch das?

Ist es zu viel? Schreibt es uns gerne.