Ein absoluter Skandal! Hat die Polizei diesen konkreten TODES-HINWEIS etwa ignoriert – und was verschweigen die Ermittler bis heute?

Ein absoluter Skandal! Hat die Polizei diesen konkreten TODES-HINWEIS etwa ignoriert – und was verschweigen die Ermittler bis heute?

Die Kölner Polizei hat einen entscheidenden Hinweis auf einen Mord im Wald von Lindlar ignoriert und damit wochenlang wertvolle Zeit vergehen lassen. Ein 72-jähriger Journalist deckte die Versäumnisse auf und fand die Leiche eigenhändig – ein Fall, der die Frage aufwirft, wie sicher die Aufklärung von Kapitalverbrechen in Deutschland wirklich ist.

Es begann im April 2016, als ein Mann die Redaktion der Düsseldorfer Express-Zeitung anrief. Er gab an, bei der Beseitigung einer Leiche geholfen zu haben. Der Anruf landete auf dem Schreibtisch von Günther Classen, einer Legende unter den Polizeireportern.

Der erfahrene Journalist hörte sich die Geschichte an, sprach fast eine Stunde mit dem Informanten und war überzeugt: Hier stimmt etwas nicht.

Classen ging sofort zur Kölner Polizei und zur Staatsanwaltschaft. Doch die Beamten schenkten ihm keinen Glauben. Ein Polizeivermerk soll den Reporter als “alten, senilen Mann” bezeichnet haben, der nicht glaubwürdig sei.

Die Behörden unternahmen nichts – obwohl sie einen konkreten Hinweis auf ein Tötungsdelikt erhalten hatten.

Der Journalist ließ sich nicht entmutigen. Er blieb hartnäckig, wie es sein langjähriger Kollege Michael Kerst beschreibt: “Günther war ein Trüffelschwein für Geschichten. Er hat mit dem Recherchieren nicht aufgehört, wo andere längst aufgegeben hatten.”

Wochenlang setzte Classen die Polizei unter Druck, bis sie schließlich eine Suchaktion mit Leichenspürhunden im Wald von Lindlar startete.

Die Beamten durchkämmten das Gebiet, fanden aber nichts. Die Ermittler zogen sich zurück. Classen gab nicht auf.

Er nahm seinen Informanten erneut mit in den Wald, bat einen Polizisten um Begleitung – doch der Beamte gab nach anderthalb Stunden auf. Classen blieb, fuhr weiter, suchte bei Nacht. Etwa 80 Meter hinter einer Leitplanke, in einer Vertiefung unter Tannen, entdeckte er die skelettierte Leiche.

Der Fundort lag im Wald von Lindlar, im Oberbergischen Kreis, nur wenige hundert Meter von Wohnhäusern entfernt. Die Anwohner reagierten entsetzt. “Ich habe es heute erst erfahren und war erschrocken, dass hier in der Gegend so etwas passiert”, sagte eine Bewohnerin.

Der Tote war monatelang unentdeckt geblieben, zugedeckt mit Erde, Ästen und Laub.

Classen machte ein Foto der Leiche und schickte es der Kriminalpolizei. Erst jetzt reagierten die Ermittler umgehend: Spurensicherung und Mordkommission rückten an. Das Foto zeigte ein markantes Tattoo am Unterarm des Toten – die Vornamen seiner beiden Kinder.

Die Veröffentlichung dieses Bildes in den Medien führte zur Identifizierung: Das Opfer war Dennis S. , ein 30-jähriger Mann aus Köln, der zuletzt wohnungslos im Drogenmilieu lebte.

Die Polizei bedankte sich bei Classen, wollte aber nun den Informanten sprechen. Der Journalist schützte seine Quelle zunächst, wie es der journalistische Ehrenkodex verlangt. “Der Informant stammte aus dem Drogenmilieu und wollte nicht genannt werden”, erinnert sich Michael Kerst.

Classen redete zwei Stunden auf den Mann ein, überzeugte ihn und fuhr ihn persönlich zum Polizeipräsidium Köln.

Der Informant, Jochen B. , war 30 Jahre alt und kannte sowohl das Opfer als auch den Täter aus der Drogenszene. Er hatte bei der Beseitigung der Leiche geholfen und sich deshalb strafbar gemacht.

Die Staatsanwaltschaft verzichtete jedoch auf eine Verfolgung, da er den Fall ins Rollen gebracht hatte. Interessant: Jochen B. hatte sich bereits im Februar 2016 – zwei Monate vor Classens Kontaktaufnahme – seiner Anwältin anvertraut.

Diese informierte die Staatsanwaltschaft, aber nur unter der Bedingung eines Deals: Der Informant wollte Straferlass für eine geringfügige Verurteilung wegen Schwarzfahrens. Die Staatsanwaltschaft lehnte ab – und die Leiche blieb zwei weitere Monate unentdeckt.

Der Polizeiwissenschaftler Professor Antonio Vera erklärt, dass die Behörden bei solchen Hinweisen einen Ermessensspielraum haben. “Es gibt keine standardisierten Abläufe. Der zuständige Beamte muss entscheiden, ob eine Aussage glaubwürdig ist.

Dabei kann es zu Fehlern kommen.” Im konkreten Fall sei der Fehler offensichtlich gewesen, denn die Leiche lag tatsächlich da. Vera betont jedoch: “Das ist nicht unbedingt ein schlimmer Fehler, der automatisch Konsequenzen haben muss.

Der Beamte musste unter Unsicherheit entscheiden.”

Die Ermittlungen führten zur Festnahme des Tatverdächtigen Christoph S. , einem 47-jährigen Mann aus Dormagen. Die beiden Männer kannten sich aus dem Gefängnis und waren nach der Haft im Drogenmilieu weiter in Kontakt.

Der Streit eskalierte Ende Januar 2016. Christoph S. erstach Dennis S.

mit einem Messer auf einer Straße in Bonn. Die Leiche versteckte er zunächst in der Nähe eines Friedhofs, bevor er mit Hilfe von Jochen B. die Leiche nach Lindlar transportierte und in einem Autoanhänger verscharrte.

Vor dem Kölner Landgericht plädierten die Verteidiger auf Notwehr oder Totschlag. Der Staatsanwalt widersprach heftig: Das Opfer sei ein “Kampfkoloss” gewesen, der Angriff sei feige und heimtückisch gewesen – also Mord. Christoph S.

brach sein Schweigen und bestritt das Mordmerkmal der Heimtücke. Das Gericht folgte dieser Argumentation nicht. Der Angeklagte wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.

Die Witwe des Opfers, die zwei Kinder zurückließ, bedankte sich nach dem Prozess öffentlich bei Günther Classen. Ohne seine Hartnäckigkeit hätten sie und ihre Kinder nie Gewissheit gehabt. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die Grenzen staatlicher Ermittlungen: Darf eine Privatperson auf eigene Faust ermitteln?

Professor Vera sagt: “Solange sie keine Gesetze bricht, ist das erlaubt. Es kommt aber sehr selten vor, dass solche privaten Recherchen zu Fahndungserfolgen führen. Die Polizei ist oft misstrauisch, weil solche Aktionen interessengeleitet sein können.”

Günther Classen starb in der Zwischenzeit im Alter von 72 Jahren. Sein Kollege Michael Kerst erinnert sich an einen eigensinnigen, herzensguten Menschen, der eine Legende der Polizeireporter war. Der Fall zeigt, wie wichtig unabhängige, hartnäckige Recherche ist – auch wenn die Behörden zunächst versagen.

Die Leiche im Wald von Lindlar wäre vielleicht nie gefunden worden, wenn nicht ein Journalist der Polizei “auf den Senkel gegangen” wäre, wie Kerst es formuliert.

Die Aufklärung dieses Mordes ist ein Beispiel für das Zusammenspiel von Zivilcourage, journalistischer Beharrlichkeit und letztlich doch funktionierender Strafverfolgung. Doch der Fall lässt auch die Frage offen, wie viele weitere Verbrechen unentdeckt bleiben, weil Hinweise nicht ernst genommen werden. Die Staatsanwaltschaft und die Polizei Köln haben aus dem Fall gelernt: Der damalige Polizeivermerk mit der abwertenden Beschreibung des Journalisten sorgte intern für Erschütterung.

Neue Richtlinien für den Umgang mit Zeugenhinweisen wurden eingeführt. Ob sie ausreichen, bleibt abzuwarten.