Die Hülse bricht mit einem leisen Knacken auf, und ich grinse, wie jedes Mal. Da drin, eingebettet in ein wattig-weiches Weiß, sitzen die ersten dicken Bohnen des Jahres. Man kann sie direkt roh essen, so wie sie sind. Ich friere sie aber lieber ein, um sie später im Winter mit Paprika in der Pfanne zu schwenken.

Ein Stück weiter greife ich in den Fenchel. Die ersten Knollen haben schon eine ordentliche Größe erreicht, die wandern heute Abend in den Ofen. Und Ende Juni, das weiß ich jetzt schon, ist dieses erste Beet abgeerntet. Dann heißt es: Platz für die nächste Runde – Winterlauch, späte Kohlköpfe, Brokkoli oder Salat.
Es ist ein Kreislauf, der nie aufhört, und genau darum geht es hier. Wir stehen in unserem großen Gemüsegarten: fünf Beete, jedes sechs Meter lang, zusammen gute dreihundert Quadratmeter Anbaufläche. Doch die Größe ist nicht das Besondere daran. Es ist der Wechsel.
Sobald ein Streifen abgeerntet ist, kommt etwas Neues in die Erde. Ich zeige euch heute, was gerade wächst und was danach kommt. Im ersten Beet reihen sich die Gemüsezwiebeln auf, die wir Anfang des Jahres gesetzt haben. Sie haben wunderbare Blütenknospen gebildet, die jetzt langsam aufgehen.
Wunderschöne Samenträger. Daneben der Spinat: längst abgeerntet, und in derselben Reihe schieben sich schon die zweiten Radieschen aus dem Boden. Eine Reihe weiter darf frischer Salat anwachsen, dort standen vorher ebenfalls Radieschen. Und direkt daneben leuchtet der Mangold mit seinen bunten Stielen.
Den beernten wir schon seit Wochen. Er bleibt bis in den Winter stehen, macht keine Zicken, ist einfach ein dankbares Gemüse. Weiter hinten die Wurzelpetersilie. Auf den ersten Blick könnte man sie für Petersilie halten, aber es ist die Wurzel, auf die wir warten.
Am Rand haben sich die Schnecken durchgefressen – die waren schneller als wir – aber die Mitte steht prächtig da. Daneben der Knollensellerie, den wir zusammen eingepflanzt haben und der gut angewachsen ist. Der braucht noch Zeit. Aber gute Dinge brauchen das.
Im zweiten Beet geht es nach oben. Zuckerschoten ranken an einem einfachen Wildzaun aus Eisenstäben entlang, halten sich mit ihren Ranken fest und zeigen lila Blüten. Die Markerbsen daneben tragen weiße. Dieses Rankgerüst ist simpel, kostengünstig und funktioniert seit Jahren.
Wenn die Saison vorbei ist, rolle ich es zusammen, lege es über den Winter weg und im nächsten Jahr wieder auf. Daneben steht eine Pflanze, die aussieht wie verrückter Spinat – ein Sortenversuch. Auch sie ist bald reif, und sobald sie abgeerntet ist, machen wir Platz für die Herbstsalate: Radicchio, Endivien, Puntarella, Zuckerhut, Chinakohl. In den nächsten Reihen wachsen die Buschbohnen.
Die werden mich bald fordern, denn wer Buschbohnen hat, muss regelmäßig ernten. Alle zwei, drei Tage durchgehen und abnehmen, sonst sind sie über Nacht riesig geworden. An den gemauerten Bögen, die mein Gärtner von der Baustelle gerettet und passend geflext hat, ranken sich die Einlegegurken hoch. Bisher waren der Juni nass und kalt, die Gurken hängen noch in den Seilen.
Aber sobald die Wärme kommt, schießen sie los, da bin ich sicher. Am Boden zwischen den Gurken spitzen feine grüne Halme aus der Erde. Sieht aus wie Gras, ist aber Dill. Eine Direktsaat, die wir mit Fingerspitzengefühl begleiten müssen: die Nesseln und das Beikraut dazwischen rausziehen, und dann wird daraus eine stattliche Pflanze.
Eine prima Mischkultur. Am anderen Ende des Beets wachsen die Trockenbohnen. Die bleiben bis September im Beet, reifen aus, trocknen und werden trocken geerntet. Perfekt zum Lagern.
Man kann sie immer zubereiten, wann immer man sie haben möchte, und satt machen sie auch. Bei den Markerbsen sehe ich die weißen Blüten und denke an meinen kleinen Tipp für alle, die noch Platz haben: Auch im Juli kann man Erbsen noch säen. Auf dem Hochbeet ranken sie wunderschön herunter, sodass Kinderhände direkt an die Schoten kommen. Zwischen den Salatreihen hat eine Nacktschnecke ganze Arbeit geleistet.
Mehrere Tage haben wir sie gesucht und beobachtet, und dann hat sie uns ein Salatherz zerrupft. Ich bin nicht böse. Wir haben genug, und die Hühner freuen sich über das Grünzeug. Wenn die Salate und Markerbsen abgeerntet sind, wird auch hier nachgelegt: Herbstsalate, ein neuer Satz Blattsalat.
Die Planung geht nie aus. Das dritte Beet beginnt mit der Feuerbohne, einer Stangenbohne, die am Gerüst hochklettert. Darunter wächst Bohnenkraut. Jetzt im Juni schneide ich die Triebe einfach ab: Das Kraut wandert in die Küche oder zum Trocknen auf den Balken, und die Pflanze treibt danach buschiger aus.
Aus einer Ernte werden zwei. Das funktioniert bei Oregano, Thymian und allen anderen Kräutern genauso. Dann kommt der mutige Teil des Gartens: Auberginen im Freiland. Normalerweise wachsen die bei uns im geschützten Gewächshaus oder im Kübel an der Hauswand.
Aber dieses Jahr probieren wir das hier aus. Wir werden sehen, ob es funktioniert. Daneben die Paprika, die sich gerade von den kalten Wochen erholt. Sobald der Sommer richtig einsetzt, werden wir von heute auf morgen ein regelrechtes Wachstum erleben.
Ich spüre das schon. Weiter geht es zum nächsten Bogen – wieder Gurken, diesmal Gewürzgurken. Und wieder gilt: regelmäßig ernten, keine Ausreden. Wenn man drei Tage nicht ins Beet schaut, sind aus den kleinen Einlegern plötzlich Monster geworden.
Daneben wächst Dill, und in der Beetmitte haben wir Cosmea gesetzt. In der nächsten Reihe stehen die Samenträger des Wintersalats, den man wunderbar auch in der kalten Jahreszeit anbauen kann. Ich finde es immer wieder lustig, wie Salat aussieht, wenn er in die Höhe schießt. Mal wie ein Tannenbaum, mal einfach nur kerzengerade.
Und dann die Zucchini. Verschiedene Sorten, gemischt mit Petersilie, Schnittlauch, Ringelblumen und Strohblumen. Die Blumen locken Nützlinge an, und weil sie am Rand des Beets stehen, kann ich die Zucchini bequem ernten, solange sie klein und zart sind – keine riesigen Dinger. Bei uns gibt es gerade viel Blumenkohl und Spitzkohl in der Küche, und die Zucchini werden die sommerlichen Gerichte perfekt ergänzen.
Das vierte Beet gehört dem Kohl. Ein Sortenversuch an der Seite, dazwischen Blumenkohl, Brokkoli, und in der Mitte das Tomatengerüst, das wir letztens zusammen aufgebaut haben. Die Freilandomaten haben sich alle gut erholt. Anders als manche Kohlpflanzen, die ein paar Lücken zeigen – die Tauben waren schneller als wir.
Aber der Blumenkohl hier draußen macht das wett. Ich habe große Hände, und die Knospe, die ich euch entgegenhalte, kann sich absolut sehen lassen. Die Pflanzen wachsen kompakter als im Gewächshaus, wo die Blütenknospe fast doppelt so groß wird, aber dafür auch riesiges Blattwerk schiebt. Hier ist alles kräftiger, dichter, erntefreudiger.
Schädlinge? Kein Thema. Nur am Anfang haben die Tauben an den jungen Pflanzen geknabbert, aber das haben wir gut abgefangen. Mein Mann liebt Blumenkohl über alles, und im Moment gibt es bei uns jede Menge davon.
Hinter dem Kohl hängt ein Schutznetz über den jungen Rosenkohlpflanzen. Ihr habt uns gefragt, warum wir hier Netz verwenden und bei den anderen Kohlen nicht. Ganz einfach: Die Tauben haben die jungen Pflanzen entdeckt, deshalb schützen wir sie. Aber kaum sind die Pflanzen größer, kann das Netz ab.
Bei den anderen ist es nicht mehr nötig, und das Netz ist lästig: zum Hacken abnehmen, wieder drauf, wieder ab. Ich bin froh, dass es hier ohne geht. Der Vorteil ist die Mischkultur: Die Tomaten daneben duften intensiv, und wenn man noch Basilikum oder Kräuter dazwischen setzt, bleiben die Schädlinge fern. Die Nützlinge dagegen kommen rein, weil ja kein Netz sie aus sperrt.
Trotzdem heißt es beim Kohl aufmerksam bleiben: Wenn wir Pflanzen mit vielen Löcherchen in den Blättern sehen, lohnt sich der Blick nach den grünen Raupen. Die sammeln wir ab und verfüttern sie an die Hühner. Was die Hühner daraus machen, kommt später als Mist wieder ins Beet. Der Kreislauf schließt sich.
Unser Garten liegt sehr windig. Nicht immer bequem, aber es hat einen Vorteil: Der Kohlweißling bleibt bei dem Wind nicht lange. Er wird einfach weggeweht. Das ist unsere Erfahrung aus den letzten Jahren – und sie hat das Kohl-Gärtnern bei uns deutlich entspannt.
Im fünften Beet sind die Wurzeln zu Hause. Die weißen Steckzwiebeln stehen in Reih und Glied, 1A, nichts zu meckern. Dazwischen wachsen Möhren aus einer Direktsaat: schön aufgelaufen, kräftiges Grün. Jetzt heißt es ausdünnen – die kleinen rausnehmen, damit die anderen Platz bekommen und zu großen, kräftigen Möhren werden.
Sonst haben wir am Ende lauter dünne Dinger, die sich gegenseitig im Weg stehen. Dann das Dilemma: die roten Steckzwiebeln. Ein guter Meter fehlt vorne, und ich weiß auch warum. Man sagt ja, Wühlmäuse mögen keine Zwiebeln.
Sie mögen aber offenbar Zwiebelwurzeln. Die Zwiebeln selbst haben sie stehen lassen, aber die Wurzeln komplett abgeknabbert – und eine Zwiebel ohne Wurzel kann nicht weiterleben. Bei einigen sehe ich schon die kleinen Hütchen der Blütenköpfe. Sie sind geschossen, vermutlich war es ihnen zu kalt.
Beim Knoblauch kann ich die Blüte rausbrechen und die Pflanze wächst weiter. Bei der Zwiebel funktioniert das nicht. Also rette ich, was zu retten ist: ab in die Küche, bevor der Geschmack nachlässt. Ein paar Meter weiter klafft wieder eine Lücke im Möhrenbeet.
Schnecken? Wühlmäuse? Oder war die Nacktschnecke wieder unterwegs? Ich weiß es nicht genau.
Aber eine Lücke ist auch immer eine Einladung: Da kommt etwas Neues rein. Daneben wächst der Sommerlauch, ein wunderbares Gemüse, das man sonst eher aus dem Winter kennt. Er ergänzt die Ernte im Spätsommer. Die Pastinaken haben am Anfang viel Arbeit gemacht – das viele Unkrautjäten – aber es lohnt sich.
Sie stehen schön da und bleiben bis in den späten Herbst. Genau wie die Schwarzwurzel daneben, deren Grün man übrigens auch essen kann. Ich hoffe nur, dass die Nager sie nicht entdecken. Drückt uns die Daumen.
Im hinteren Bereich des Beets klafft schon wieder eine Lücke bei den Gemüsezwiebeln. Wühlmaus, keine Frage. Aber der Rest wächst, und wenn wir die Zwiebeln geerntet haben, legen wir nach: Fenchel, Radieschen, Salate oder Herbstsalate. Die rote Bete daneben hat ein bisschen Federn gelassen – die Tauben waren da – aber sie erholt sich.
Und am Rand, als letzter Streifen, wächst der frühe Fenchel. Den beernten wir schon fleißig, aber immer ein paar Pflanzen dazwischen, sodass die anderen Platz haben und weiterwachsen können. Am Ende stehe ich zwischen den fünf Beeten und drehe mich einmal um die eigene Achse. Es ist nicht schön wie ein Gemälde, dieser Garten.
Nicht jede Reihe ist vollendet, nicht jede Pflanze perfekt. Es gibt Lücken, die Wühlmäuse gerissen haben, zerrupfte Salatherzen, Auberginen, die ein Experiment sind, und Gurken, die auf den Sommer warten. Aber in jeder Lücke steckt schon der nächste Plan: Herbstsalat, Porree, eine neue Runde Spinat. Genau das wollte ich euch zeigen – nicht nur, was gerade wächst, sondern auch, was als Nächstes kommt.
Der Garten hört nie auf, und ich freue mich auf jede Runde, die er austeilt.


