French Nazi Spy Who Betrayed 60 Friends for “a Meal and a Man”

French Nazi Spy Who Betrayed 60 Friends for “a Meal and a Man”

Der Name Mathilde Carré wird in den Annalen des Zweiten Weltkriegs für immer mit einem der bittersten Verräterfälle verbunden bleiben: Eine französische Krankenschwester und ehemalige Lehrerin, die unter dem Decknamen “La Chatte” einst eines der größten alliierten Spionagenetze in Frankreich aufbaute, lieferte in einer einzigen Nacht über sechzig ihrer Kameraden an die Nazis aus – um ihr eigenes Leben zu retten, wie sie später gestand.

Der Fall, der nun durch neu veröffentlichte Akten und ein Video des World History Channel wieder ins öffentliche Bewusstsein rückt, erschüttert bis heute. Im Juni 1940, als die deutsche Wehrmacht Frankreich in sechs Wochen überrannte und Paris besetzte, schwor die junge Frau, sich notfalls als Märtyrerin für ihr Land zu opfern. Doch nur ein Jahr später, im November 1941, brach sie nach einer einzigen Nacht in Gestapo-Haft zusammen.

Die ehemalige Schullehrerin, geboren 1908 im burgundischen Le Creusot, hatte 1940 den polnischen Geheimdienstoffizier Roman Czerniawski kennengelernt. Er baute in Paris das Netzwerk “Interallié” auf – eine deutsch-französisch-polnische Widerstandsgruppe, die für den britischen Geheimdienst arbeitete. Carré, die wegen ihrer katzengleichen Gerissenheit und ihres scheinbar unzerstörbaren Glücks den Spitznamen “La Chatte” trug, stieg schnell zur Schlüsselfigur auf.

Sie versteckte Codes, rekrutierte Agenten und funkte unter dem legendären Rufsatz “Die Katze meldet sich” nach London.

Doch der Verrat kam von innen. Der deutsche Abwehr-Sergeant Hugo Bleicher, ein Meister der Spionageabwehr, nahm die Anführer des Netzes am 17. November 1941 in Paris fest.

Bereits am nächsten Morgen bat Carré um ein Gespräch mit Bleicher – und verriet alles. Sie nannte Namen, Adressen, Verstecke von Geld und Dokumenten. Innerhalb weniger Tage war das gesamte Netzwerk zerschlagen.

Rund sechzig Widerstandskämpfer wurden verhaftet, in Konzentrationslager deportiert oder hingerichtet.

Was folgte, war ein doppeltes Spiel ohnegleichen. Carré zog zu Bleicher, wurde seine Geliebte und arbeitete fortan für die Abwehr. Sie fuhr mit deutschen Soldaten zu Razzien, identifizierte persönlich ehemalige Kameraden – einmal küsste sie einen von ihnen in einem Café, Minuten bevor er abgeführt wurde.

Sie half, vier Funkgeräte samt Codes zu übernehmen, sodass die Deutschen monatelang ungestört weiterfunkten und neue Agenten in die Falle lockten.

Erst der britische SOE-Agent Pierre de Vomécourt durchschaute das Spiel. Er hatte sich von Carré helfen lassen, bemerkte aber im Januar 1942, dass die Papiere, die sie ihm beschaffte, zu perfekt waren. Als er sie zur Rede stellte, gestand sie.

Statt sie zu töten, entschied Vomécourt auf einen kühnen Plan: Er überredete sie, den Deutschen vorzutäuschen, sie reise als Spionin nach London – während er sie tatsächlich den Briten ausliefern würde. In der Nacht zum 27. Februar 1942 gelang die Überfahrt.

In London wurde Carré von den Briten verhört, ihre Funkverbindung eine Zeitlang genutzt, um die Deutschen zu täuschen. Dann wurde sie auf Ersuchen der französischen Behörden verhaftet und drei Jahre lang in Holloway und Aylesbury inhaftiert, wo sie zeitweise in Hungerstreik trat. 1945 nach Frankreich überstellt, stand sie ab Januar 1949 wegen Hochverrats vor Gericht.

Die Staatsanwaltschaft zitierte aus ihrem Tagebuch den Satz, der sie für immer brandmarken sollte: Sie habe sich im Grunde nur “eine gute Mahlzeit, einen Mann und Mozarts Requiem” gewünscht.

Am 7. Januar 1949 verurteilte ein Pariser Gericht Mathilde Carré zum Tode. Doch das Urteil wurde nie vollstreckt.

Drei Monate später wandelte man es in lebenslange Zwangsarbeit um, später weiter reduziert. 1954, nach insgesamt zwölf Jahren Haft in zwei Ländern, wurde sie freigelassen. In ihren Memoiren “J’ai été La Chatte” (1959) und “On m’appelait La Chatte” (1975) bestritt sie die volle Schuld und stellte sich als Opfer der Umstände dar.

Die Öffentlichkeit verlor die ehemalige Top-Agentin aus den Augen. Jahrzehntelang galt sie in Nachschlagewerken als verstorben, angeblich um 1970. Tatsächlich lebte sie still und unerkannt in Frankreich weiter.

Erst jetzt, durch Recherchen des World History Channel, wurde ihr tatsächliches Sterbedatum bekannt: Mathilde Carré starb am 30. Mai 2007 in Paris im Alter von 98 Jahren.

Ihre Geschichte bleibt ein dunkles Kapitel des Widerstands. Für die Überlebenden ihrer Verratsopfer war sie schlimmer als die Nazis selbst – denn von den Besatzern erwartete man Feindschaft, von einer Kameradin Verrat. Sie, die einst als “Katze” mit neun Leben galt, verriet mehr als sechzig Menschen für genau das, was sie in ihrem Tagebuch notiert hatte: eine Mahlzeit, einen Mann, ein Requiem.