Eine Passantin blickt in einer Seitengasse in Kaiserslautern auf die Straße. Dort liegt etwas, das in weißes Material eingewickelt ist. Sie schaut genauer hin und findet die Leiche einer Frau. Kriminalhauptkommissarin Nicole Lutz übernimmt den Fall.

Der Leichnam ist komplett in ein weißes Bündel eingepackt. Als man es auspackt, erkennt man eine auffällige rote Jogginghose, schwarze Stiefel und eine weiße Winterjacke. Die Polizei vermutet ein Gewaltverbrechen. Aus der Spurenlage schließen die Ermittler, dass die Leiche hier nur abgelegt wurde.
Die Identität der Toten ist zunächst unklar. Sie hat weder Ausweis noch Handy oder Gepäck bei sich. Auch ein markantes Tattoo auf ihrem Unterarm führt zu keinen Hinweisen. Die Obduktion ergibt: Die Frau wurde zwischen dem 11.
und 12. Dezember 2020 durch stumpfe Gewalteinwirkung getötet. Zur genauen Todesursache schweigt die Kripo aus ermittlungstaktischen Gründen. Ein Isotopengutachten bringt neue Erkenntnisse.
Die Frau ist zwischen 30 und 50 Jahre alt und stammt sehr wahrscheinlich aus Osteuropa. Mit einem Foto startet die Polizei eine europaweite Öffentlichkeitsfahndung. Zwei Monate später, im Februar 2021, kommt der Durchbruch. Eine Frau aus Ungarn vermisst seit Monaten ihre Tochter Diana.
Ein DNA-Abgleich bestätigt: Es ist die unbekannte Tote aus Kaiserslautern. Diana Bodi, 48 Jahre alt, kam aus einer Kleinstadt in Ungarn nach Deutschland. Sie arbeitete als Pflegekraft in Stuttgart, verlor die Stelle aber wegen angeblicher Alkoholprobleme. Danach wurde sie zu einer neuen Arbeitsstelle in Trier vermittelt.
Diana hatte finanzielle Probleme. Am 7. Dezember versuchte sie, an einem Geldautomaten in Stuttgart Geld abzuheben, doch ihr Konto war nicht gedeckt. Sie war dringend auf den neuen Job angewiesen.
Die Kripo rekonstruiert, dass Diana am 11. Dezember mit dem Zug von Stuttgart nach Trier fahren wollte. Das letzte Stück sollte sie mit einem Regionalexpress zurücklegen. Doch der Zug hatte etwa 100 Minuten Verspätung.
Als Diana glaubte, in Trier anzukommen, befand sie sich tatsächlich am Kaiserslauterer Hauptbahnhof. Sie stieg aus. Eine Zeugenaussage belegt, dass Diana mehrere Personen um Hilfe bat, besonders um ein Handy. Ihr eigenes Handy war leer, und sie hatte nur ein E-Ticket darauf.
Ohne funktionierendes Telefon und ohne Bargeld saß sie in Kaiserslautern fest. In der Nacht zum 12. Dezember versuchte eine unbekannte Person zweimal, mit ihrer EC-Karte Geld abzuheben, scheiterte jedoch. Die Polizei wertet Überwachungsvideos aus einem Parkhaus nahe dem Fundort aus.
Dort sieht man eine Person, die mehrfach vorbeigeht. Zuerst allein, dann mit einem Einkaufswagen. Auf der unteren Ablage liegt ein weißes Bündel, genauso verpackt, wie man die Leiche später fand. Zwischen Parkhaus und Fundort liegen nur wenige hundert Meter.
Die Aufnahmen entstehen in der Tatnacht zwischen 21 und 23:30 Uhr. Die Ermittler sind sicher, dass es sich bei dem Bündel um Diana Bodi handelt. Doch wer ist die Person mit dem Einkaufswagen? Ein 31-jähriger Mann aus Kaiserslautern gerät unter Verdacht, ein Haftbefehl wird erlassen.
Doch die Indizien reichen nicht, der Verdacht kann nicht erhärtet werden. Bis heute steht nur fest: Die Person mit dem Einkaufswagen muss in Verbindung zu dem Verbrechen stehen. Auch nach der Ausstrahlung bei „Aktenzeichen XY ungelöst” gibt es keine entscheidenden Hinweise. Eine Frau aus den Niederlanden meldet sich und berichtet von einer Begegnung mit Diana am Bahnhof.
Diana habe sie um ein Handy gebeten. Doch wen hat das Opfer noch angesprochen? Bittet sie den Täter selbst um Hilfe? Keine 24 Stunden später ist sie tot.
Kommissarin Lutz und ihr Kollege Mark Seiter ermitteln weiter. „Das ist ein Fall, der einen nicht loslässt”, sagt Lutz. „Die Dame wollte hier arbeiten, ihren Lebensunterhalt verdienen, und wurde dann getötet. ” Bis heute fehlt der erfolgversprechende Hinweis, der zum Täter führt.
Eine ganz andere Tragödie beschäftigt die Cold-Case-Einheit in Hannover. Am 23. Januar 1985 kommt die 15-jährige Ola Lilienthal nicht nach Hause. Knapp zwei Wochen später finden Spaziergänger ihre Leiche in einem Waldstück.
Ola wurde erdrosselt, Tatwaffe war ein roter Netzstrumpf. Sie war das sechste von acht Kindern und galt als eigenwillig und stur, aber auch liebevoll. An dem Abend besuchte sie eine Freundin in einer Einrichtung der Jugendhilfe. Danach verliert sich ihre Spur.
Ein 16-jähriger Bewohner der Einrichtung rückt ins Visier der Polizei, als er angeblich Olas rotes Sweatshirt trägt. Er verstrickt sich in Widersprüchen, wird aber wieder freigelassen, weil die Zeugenaussagen nicht ausreichen. Aus heutiger Sicht gilt er nur noch als Zeuge. Auch ein anderer Jugendlicher, der mit einem roten Netzstrumpf gesehen worden sein soll, wird vernommen, bleibt aber ohne Ergebnis.
35 Jahre bleibt der Fall ungeklärt. 2020 rollt die Cold-Case-Einheit die Ermittlungen neu auf. Mit modernen DNA-Verfahren werden Olas Kleidung und der Netzstrumpf erneut untersucht. Tatsächlich lassen sich DNA-Spuren nachweisen.
Neue Ansätze werden geprüft, doch die Kommissarin will sich dazu nicht äußern. Im Dezember werden Plakate aufgehängt und Flyer an über 11. 000 Haushalte verteilt. Für Hinweise ist eine Belohnung von 5.
000 Euro ausgeschrieben. Olas Schwester hofft, dass der Täter endlich gefunden wird: „Es bringt sie nicht zurück, aber es wäre Gerechtigkeit nach so vielen Jahren. ”
Ein anderer Fall führt in den Bayerischen Wald. Am Allerheiligentag 2002 finden Spaziergänger auf einem Holzlagerplatz eine nackte Frauenleiche ohne Kopf.
Die Todesursache: neun Schüsse in Bauch und Oberkörper. Kurz darauf wird in Österreich eine 43-jährige Frau als vermisst gemeldet. Ihr Sohn berichtet, sie hätte sich mit ihrem Liebhaber treffen wollen. Es handelt sich um Elisabeth W.
, die unter finanziellen Nöten litt. Die Polizei konzentriert sich auf Josef G. , einen 70-jährigen Rentner. In seinem Auto finden die Beamten Blut, Schussbeschädigungen und eine passende Patrone.
Im Haus entdecken sie die Tatwaffe. Josef G. bestreitet die Tat zunächst, doch sein Anwalt Andreas Mauhart überzeugt ihn, dass ein Leugnen sinnlos wäre. Nach drei Tagen in Untersuchungshaft legt er ein Geständnis ab.
Er habe sich mit Elisabeth getroffen. Sie habe wieder Geld gefordert und sogar vorgeschlagen, seine Frau zu töten. Da sei er ausgerastet. Er habe die Waffe aus dem Kofferraum genommen und geschossen.
Danach habe er ihr mit einem Küchenmesser den Kopf abgetrennt, sie entkleidet und Schmuck und Kleidung im Wald abgelegt. Doch an den Ort kann er sich nicht erinnern, er spricht von einem Blackout. Im Frühjahr 2003 findet der Prozess statt. Die Frage ist: Mord oder Totschlag?
Der Richter versucht, Josef G. goldene Brücken zu bauen. Doch der alte Mann erkennt sie nicht. Er sagt, er sei beim Schießen nicht aufgewühlt gewesen.
Die Geschworenen verurteilen ihn mit 6:2 Stimmen wegen Mordes zu 15 Jahren Haft. Im Mai 2009 wird der Schädel von Elisabeth bei Forstarbeiten gefunden. 2010 wird Josef G. gesundheitlich angeschlagen entlassen, wenige Monate später stirbt er.
Ein Verbrechen aus dem Nichts erschüttert Berlin. Am 20. Juni 2009 wird die 39-jährige Kirsten Saling beim Sport im Spandauer Forst mit mehreren Messerstichen getötet. Sie hatte Krebs überlebt und kümmerte sich danach um Krebspatienten.
An diesem Samstagmorgen begleitete sie ihren Mann zum Joggen und machte Yogaübungen im Wald, als der Täter zustach. Eine Joggerin hatte kurz zuvor einen jungen Mann mit einem roten Fahrrad in weißer Kleidung beobachtet, der sich auffällig lange in ihrer Nähe aufhielt. Eine Überwachungskamera zeigt den Flüchtenden um 8:48 Uhr. Doch danach verliert sich seine Spur.
Die Ermittler schalten Profiler ein. Es gibt keine Hinweise auf ein Motiv. Die Fallanalyse geht davon aus, dass der Täter ein Einzelgänger ist, der sich in der Gegend auskennt, vielleicht im nahen Johannesstift lebte. Über 240 Personen kommen infrage.
Auch Handyauswertungen, Flugblätter und eine Überwachung des Gedenksteins bringen keinen Erfolg. Ein junger Mann gerät schließlich in den Fokus, wird observiert und abgehört, doch der Verdacht lässt sich nicht erhärten. Bis heute sucht die Polizei nach einem jungen Mann mit blonden Haaren und einem roten Mountainbike, der einfach nur töten wollte. Ein eiskalter Mord wird in Koblenz aufgeklärt.
Am 7. September 2013 wird der Diskothekenbetreiber Daniel S. vor seinem Haus in Waldesch erschossen. Er lag neben seinem Auto, Einschüsse im Kopf und Oberkörper.
Ein Nachbar hörte Schüsse und sah einen kleinen hellen PKW davonfahren. Die Ermittler Bernt Kräuter und Oliver Gaspar finden heraus, dass Daniel S. Streit mit einem Teilhaber hatte, der sein Geld zurückforderte. Es kursierte das Gerücht, der Teilhaber habe einen Auftragsmord in Russland in Auftrag gegeben.
An einem Parkplatz gegenüber der Diskothek finden die Ermittler zahllose Zigarettenkippen. Sie sammeln sie ein und ahnen nicht, wie wichtig das sein wird. Die Spur führt nach Lettland, wo zwei Männer wegen Zigarettenschmuggels festgenommen wurden. Einer von ihnen, Ruslan B.
, hat eine DNA-Spur auf einer der Kippen hinterlassen. Seine Ex-Freundin sagt aus, er habe gestanden, mit einem Komplizen namens Marat den Mord begangen zu haben. Er sei dem Opfer bis nach Waldesch gefolgt, wo Marat mit sechs Schüssen tötete. Marat, ein 32-jähriger Kasache, schweigt bis zum Schluss.
Die Aussagen reichen für eine Anklage. Er wird zu lebenslanger Haft verurteilt, Ruslan B. wegen Beihilfe zum Totschlag zu siebeneinhalb Jahren. Ob es wirklich einen Mordauftrag gab, bleibt offen.
Ein bizarrer Mordversuch beschäftigt Berlin. Am 1. Juni 2015 nähert sich ein Mann mit gefälschtem Bart und auf einem Damenfahrrad der Kampfkunstschule von Aram M. Er trägt eine Pistole mit Schalldämpfer.
Als ein Kurs für Kinder läuft, öffnet er die Tür und schießt. Der Schuss trifft Aram am Arm, dann klemmt die Waffe. Aram stürmt hinter der Theke hervor, der Täter flieht. Eine Zeugin findet eine Brille, die der Täter verloren hat.
Aram M. erzählt der Polizei von einem Raubüberfall, nicht von einem Mordversuch. Er umgibt sich danach mit Personenschützern und taucht unter. Die Ermittler finden die Tatwaffe an einem Fahrradständer.
DNA-Spuren führen zu William C. , einem kolumbianischen Koch aus Spanien. Er passt in kein Profil. Er behauptet, ein Alibi zu haben, doch das Attest seines Physiotherapeuten ist gefälscht.
Die Geschichte von einem Waffengeschäft ist ebenfalls unglaubwürdig. Er wird wegen versuchten Mordes zu zehn Jahren Haft verurteilt. Ein Motiv bleibt unklar, ebenso der Zusammenhang mit einer Autobombe, die Monate zuvor einen Drogenhändler tötete. Aram M.
ist bis heute untergetaucht. Im thüringischen Unterwellenborn verschwindet am 8. September 1994 der 13-jährige Mike G. auf dem Heimweg von seinem Freund.
Trotz Großaufgebot mit Hunden und Hubschrauber bleibt er verschwunden. Zwei Jahre später entdecken Kinder sein Fahrrad in einem Teich. Einen Monat danach findet ein Arbeiter in einer Feldscheune ein Skelett. Es ist Mike.
Er wurde erschlagen. Die Ermittlungen laufen ins Leere. 1998 übernimmt Michael Menzel den Fall und gründet eine Sonderkommission. Der Teich wird ein zweites Mal abgepumpt.
Im Schlamm finden die Kriminaltechniker einen Pullover mit Norwegermuster, Größe 52. Daran haften Tierblut und Tierhaare, außerdem Brandflecken. Der Pullover passt zu Reinhard K. , einem Gelegenheitsarbeiter aus dem Umfeld der Familie, der Zugang zur Scheune hatte und Kaninchen schlachtete.
Bekannte behaupten, er habe so einen Pulli getragen. Eine Wirtin berichtet, dass er nach Mikes Verschwinden nicht bei der Suche half, sondern sich in ihrer Kneipe betrank. Die Recherche fördert zutage, dass Reinhard K. in den 70er Jahren versucht hatte, eine alte Frau auszurauben und zu töten.
Er wollte sie erschlagen, genau wie Mike. Die Polizei nimmt ihn fest. Zuerst gesteht er nur einen Unfall, doch spätabends erreicht die Ermittler ein Anruf: Er hat ein vollumfängliches Geständnis abgelegt. Mike habe ihn mit dem Fahrrad angerempelt, darauf habe er mit einer Schnapsflasche auf seinen Kopf eingeschlagen.
Als er merkte, dass der Junge noch lebte, nahm er ein Werkzeug aus der Scheune und schlug erneut zu. Aus Angst, der Junge könnte den Vorfall erzählen. Der Pullover aus dem See gehörte übrigens nicht Reinhard K. Eine falsche Spur, die aber zum richtigen Täter führte.
Im Mai 2000 wird er wegen Mordes zu 13 Jahren Haft verurteilt, das Gericht erkennt eine verminderte Schuldfähigkeit an. Ein letzter Fall führt nach Berlin-Schöneberg. Anfang August 2000 wird in einer Seitenstraße der 80-jährige Stanislav K. blutüberströmt aufgefunden.
Er wurde ausgeraubt, sein Schädel ist schwer verletzt. Der Rentner aus dem Rheinland war nach Berlin gekommen, um ein Visum für Kanada zu beantragen. Er lief ahnungslos durch das Rotlichtviertel. Niemand will etwas gesehen haben, die Ermittlungen laufen ins Leere.
Neun Jahre später lässt Kriminalhauptkommissar Hauke Schmidt die Asservate mit neuen DNA-Methoden untersuchen. Es gibt einen Treffer: Björn L. , ein 29-jähriger Mann, der über einem Bordell wohnte und bereits mehrfach wegen Raubes verurteilt wurde. Seine DNA findet sich auch an der Kleidung des Opfers.
Björn L. schweigt zunächst, doch ein Mithäftling berichtet, er habe ihm detailliert die Tat geschildert. Der alte Mann habe ihn angesprochen und nach Jungen gefragt. Das habe Björn so in Rage gebracht, dass er zuschlug.
Das Geld aus den Briefumschlägen nahm er an sich. Er wird wegen Totschlags und Unterschlagung zu fünf Jahren Haft verurteilt. Hauke Schmidt erinnert sich noch heute an den Fall: „Das Opfer wollte sich einfach nur ein Visum für Kanada holen und war zur falschen Zeit am falschen Ort.
” Nur weil sich die Mordkommission immer wieder auch alten Fällen widmet, konnte dieses Verbrechen aufgeklärt werden.


