Die Kritiken an effektiven Mikroorganismen nehmen zu, und das ärgert mich. Als studierter Mikrobiologe sehe ich täglich, wie gut die Studienlage ist. Aber das eigentliche Problem ist, dass die meisten Kritiker das Produkt komplett falsch untersuchen. Sie testen EM wie einen Dünger.

Das ist es aber nicht, und das war es auch nie. Nehmen wir einen Liter Gartenbodenaktivator. Der höchste deklarierte Düngewert in dieser Flasche ist Kalium – und zwar 0,32 Prozent der Trockenmasse. Pro Liter sind das etwa 4,4 Gramm Trockenmasse.
Wenn man das ausrechnet, bringt man mit der empfohlenen Menge pro Hektar gerade einmal 0,7 Gramm Kalium aus. Ein Landwirt muss bei der Düngung oft 100 bis 400 Kilogramm Kalium pro Hektar ausbringen. Da wird also klar, dass es sich hier nicht um Dünger handelt, sondern um einen Bodenhilfsstoff. Die enthaltene Melasse dient nicht der Pflanze, sondern sie ist Nährstoff und Kohlenstoffquelle für die Mikroorganismen, damit diese überhaupt arbeiten können.
Wenn man das versteht, kann man Studien auch richtig interpretieren. Ich habe mir deshalb eine unabhängige Bodenstudie ganz genau angesehen, in der EM tatsächlich so angewendet wurde, wie es gedacht ist: in Kombination mit organischer Masse, also Grünschnitt und Festmist. Die schwarze Kurve im Diagramm ist die Kontrolle, dort wurde nichts gemacht. Die blaue Kurve zeigt die Grünmasse, und die pinke Kurve zeigt dieselbe Menge Grünschnitt plus 30 Liter effektive Mikroorganismen pro Hektar.
Am Anfang verlaufen beide Kurven identisch. Beide Varianten starten mit hoher Stoffwechselaktivität. Aber dann passiert etwas Erstaunliches: Die Kurve ohne EM fällt schnell ab, während die behandelte Variante für etwa zwölf Tage auf einem deutlich höheren Niveau bleibt. In diesen zwölf Tagen ist im Boden mit EM viel mehr Leben und Aktivität.
Was bedeutet das konkret? Schauen wir uns die Messwerte an. Bei der elektrischen Leitfähigkeit, die zeigt, wie viele pflanzenverfügbare Mineralien freigesetzt werden, finden wir bei der Kontrolle kaum Veränderung. Mit organischer Masse steigt sie an.
Aber mit EM ist sie signifikant höher. Das bedeutet: Nährstoffe werden aus der organischen Masse freigesetzt. Auch beim Kohlenstoffgehalt, dem Grundbaustein des Humus, sehen wir nach drei Monaten deutliche Anstiege in der EM-Variante. Humus besteht aus verschiedenen Verbindungen.
Es gibt Huminsäuren, die wie ein Nährstoffspeicher im Boden wirken, und Fulvosäuren, die mobil sind und Nährstoffe zur Pflanze transportieren. Beide werden in der EM-Variante signifikant erhöht. Und dann gibt es noch die Bodenenzyme, zum Beispiel Phosphatasen. Diese Enzyme werden von Mikroorganismen abgegeben, um bestimmte Prozesse im Boden durchzuführen.
Die Aktivität dieser Enzyme ist in der EM-Variante mit einem dicken C markiert – das bedeutet, sie ist statistisch signifikant höher als bei der Kontrolle und auch höher als bei der reinen Grünschnitt-Variante. Die Studien, die in den Kritikervideos zitiert werden, laufen oft anders ab. Da wird ein autoklaviertes, also abgekochtes Medium gegen ein lebendes getestet. Und überraschenderweise hat auch das abgekochte Medium einen Effekt.
Das wird dann als Beweis angeführt, dass die Wirkung nur von der Melasse komme. Dabei übersehen sie: Die organischen Säuren, die in dem Produkt enthalten sind, haben selbst positive Effekte. Das hat nichts mit Düngewert zu tun. Das Produkt ist aber auch kein reines Zuckerwasser – es sind unterschiedliche Mikroorganismen und Zutaten enthalten, die je nach Einsatzgebiet zusammengesetzt sind.
Ich habe mich oft gefragt, warum die gängigen Umweltstudien die EM-Wirkung nicht richtig zeigen können. Die Antwort ist simpel: Es liegt an der Anwendung. Man muss die Nährstoffe aus dem Boden verfügbar machen. Wenn man EM nur auf eine Pflanze schüttet, ohne organische Substanz und ohne dass der Boden vorbereitet ist, dann können sich die Mikroorganismen nicht entfalten.
Diese Grundlage ist entscheidend. Wir haben uns auch ein Experiment angesehen, das den Unterschied zwischen Kompostierung und Bokashi deutlich macht. Ein Landwirt hat zwei Mieten mit je etwa 13 Tonnen Material angesetzt. Eine wurde kompostiert, die andere wurde mit effektiven Mikroorganismen fermentiert.
Nach sechs bis acht Wochen waren von der Kompostmiete nur noch gut fünf Tonnen übrig. Die Masse war stark geschrumpft, das passiert bei der heißen Kompostierung, weil viel Kohlenstoff als Gas in die Atmosphäre entweicht, bis zu 50 Prozent der organischen Masse sind weg. Bei der Bokashi-Miete blieb die Menge nahezu unverändert. Die Eingangsmasse wurde fermentiert und blieb stofflich erhalten.
Der Kohlenstoffverlust lag bei maximal fünf Prozent, und auch der Stickstoffgehalt veränderte sich kaum. Stickstoff ist der wichtigste Pflanzennährstoff, und beim Kompostieren gehen bis zu 16 Prozent davon verloren. Deshalb arbeiten wir mit Bokashi: weniger Verluste, mehr Nährstoffe erhalten. Ich habe von Landwirten gehört, die zusätzlich Melasse in ihre Fermentationen geben, um die Mikroorganismen zu fördern.
Ich rate dringend davon ab. Wenn man eine schnell verfügbare Zuckerquelle in ein bereits verkeimtes Milieu gibt, facht man die vorhandenen abbauenden Bakterien unkontrolliert an. Man gibt ihnen einen Booster, und sie schießen durch die Decke. Das führt zu hohen Verlusten und schlimmstenfalls zu einer starken Gasbildung, sogar Güllebehälter können übergehen.
Mit effektiven Mikroorganismen, vor allem mit den enthaltenen Milchsäurebakterien, lenkt man das Milieu dagegen in die richtige Richtung und verhindert unkontrollierte Zersetzung. Mein Fazit aus all diesen Fakten ist: Man muss das Thema ganzheitlich betrachten. Es reicht nicht, sich eine einzelne Studie herauszusuchen und daran alles festzumachen. Man muss wissen, wie das Produkt angewendet werden soll, und man muss offen bleiben für die Erfahrungen der Praktiker.
Die Datenlage ist überzeugend, weltweit gibt es Hunderte Studien zur positiven Wirkung in der richtigen Anwendung. Lasst euch nicht verunsichern. Tests, die EM gegen chemischen Dünger antreten lassen, messen das Falsche. Kritik ist wichtig, aber sie muss auf der richtigen Grundlage erfolgen.
Wir haben alle gelernt, dass man sich ein Thema von mehreren Seiten anschauen muss – These, Antithese, Synthese. Es ist kein Hexenwerk, man kann es einfach im eigenen Garten ausprobieren. Richtig angewendet und mit etwas Geduld zeigen sich die Effekte.
Und dazu lade ich ausdrücklich ein.


