„Wieso ist mein Kohlrabi so früh schon so groß – soll ich dir die Pflanzen geben oder soll ich sie einfach wegschmeißen?“ Diese Worte meines Nachbarn trafen mich völlig unerwartet. Ich hatte mir…

„Wieso ist mein Kohlrabi so früh schon so groß – soll ich dir die Pflanzen geben oder soll ich sie einfach wegschmeißen?“ Diese Worte meines Nachbarn trafen mich völlig unerwartet. Ich hatte mir...

Direkt vor mir auf dem Tisch stehen die kleinen Schälchen aus der letzten Aussaat-Runde, und ich bin wirklich zufrieden. Der Eichblattsalat ist ordentlich grün geworden, wunderbar gekeimt und gewachsen. Daneben das Kohlgemüse – der lila Kirabi ist schon gut zu erkennen, aber auch die Zwiebeln stehen noch eine Etage weiter drüben. Im Anzuchtregal, in der oberen Etage, sehen wir dann die bereits pikierten Pflänzchen: Jalapeño-Chili und Freilandpaprika.

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Die haben sich nach dem Pikieren super erholt, stehen stabil da – das freut mich sehr. Weiter hinten warten noch viele blaue Aussaatschälchen auf uns, unter anderem mit Blumenkohl, Spitzkohl und den beiden Kirabi-Sorten, dem lila und dem grünen. Die werden wir heute pikiert. Eine Etage tiefer stehen die Upcycling-Schälchen mit den Salaten, die wir gemeinsam ausgesät haben.

Das sieht im Großen und Ganzen sehr üppig aus, bis auf eine kleine Ausnahme: In einem Förmchen vom Kopfsalat hat es nicht ganz geklappt – entweder habe ich in der Mitte zu wenig Saatgut verteilt oder zu viel Erde draufgegeben. Da schauen wir später nochmal rein. Der Sommerlauch wächst dagegen prächtig, auch wenn er noch klein und mickerig aussieht. Bei Zwiebelgemüse braucht man einfach Geduld, und ich bin mir sicher, daraus werden wunderschöne Exemplare.

Bei den größeren Pflanzen vor mir handelt es sich um die Paprika aus der Keimprobe – ein Experiment, das wir einfach weitergezogen haben. Anfang Februar sollten Paprikapflänzchen eigentlich noch nicht so groß sein, deshalb werden wir sie Ende Februar oder Anfang März sicherlich nochmal umtopfen müssen. Also: Fangt nicht so früh an, im Dezember Paprika auszusäen – das ist viel zu früh. Aber hier lassen wir das Experiment einfach laufen, und es macht ja auch Spaß, es zu verfolgen.

Auf der nächsten Ebene des Anzuchtregals steht ganz viel Zwiebelgemüse. In den beiden Multitopfplatten seht ihr die Gemüsezwiebeln, die wir vor vier bis fünf Wochen im ersten Workshop ausgesät haben. Wenn ihr genau hinschaut, seht ihr vielleicht, dass die Spitzen oben ganz lustig abknicken und einige Blätter leicht eintrocknen und gelb werden. Das ist völlig normal für Gemüsezwiebeln, kein Grund zur Sorge – die erholen sich wieder.

In den Kommentaren kam die Frage auf, ob man die Zwiebeln nicht einfach später beim Pflanzen vereinzeln könnte. Theoretisch schon, aber wir machen das nicht. Wir wollen sichergehen, dass wir möglichst große, dicke Kugeln ernten können. Am einfachsten gelingt das, wenn wir die Pflänzchen frühzeitig vereinzeln, sodass jede Pflanze ihren eigenen Bereich hat und sich optimal entwickeln kann.

In den anderen Topfplatten sieht man noch nichts – dort sind die roten und weißen Zwiebeln erst vor einer Woche gesät worden, nur an ein paar kleinen Stellen zeigen sich die ersten Saatspitzen. Daneben haben wir die Lauchzwiebeln ausgesät, und die sind wirklich die Empfehlung für alle, die gerade anfangen oder noch etwas zwischenpflanzen möchten. Sie laufen schnell auf, sind unkompliziert und müssen nicht pikiert werden. Später kann ich sie einfach als Gruppe ins Beet setzen – ganz einfach.

Bevor wir mit der Aussaat der wärmeliebenden Pflanzen starten, möchte ich noch etwas zur kalten Anzucht sagen, dazu gab es einige Fragen. Wir haben beides gemacht, zum Beispiel beim Salat: einmal draußen in der kalten Anzucht im Dezember und einmal im Warmen. Beide Pflanzen sind robust – bei uns hängt es weniger von der Methode ab, sondern mehr von der Sorte und vom Handling. Wenn ich warm angezogene Pflanzen einfach direkt ins Kalte stelle, tue ich ihnen nichts Gutes.

Man muss sie langsam an die kühleren Temperaturen gewöhnen. Außerdem funktioniert die kalte Anzucht nicht mit allen Kulturen – Salate, Kohlpflanzen und Zwiebeln eignen sich gut, aber mit Paprika und Tomate wird das nichts. Und dann ist die Frage: Was ist mein Ziel? Wenn ich früher ernten will, ziehe ich die Pflanze im geschützten Bereich vor und pflanze sie ins Gewächshaus.

Dann habe ich eine Vorkultur, bis später die Tomaten und Paprika folgen. Ich bin also weder für noch gegen die kalte Anzucht – man muss nur wissen, was man erreichen möchte. Jetzt säen wir die Auberginen aus. Dafür brauchen wir Aussaatschälchen und Aussaaterde.

Ich fülle sie mit Erde, forme mit dem Pikierstäbchen kleine Löcher und lege das Saatgut hinein. Wichtig: Auberginen müssen ein bis zwei Wochen früher ausgesät werden als Paprika. Und dann kam auch die Frage nach der Anzahl der Pflanzen. Das kommt darauf an, wie gern ihr Auberginen esst und wie viel Platz ihr habt.

Laut Aussaatskalender liegt die Aussaattiefe bei einem halben bis einem Zentimeter, der Pflanzabstand bei 40 bis 60 Zentimetern. In einem Meterbeet kann ich also gut zwei Pflanzen unterbringen. Jetzt fülle ich die Schälchen – das seht ihr im Schnelldurchgang. Ich forme die Löcher vor, und dieses Mal haben wir noch ein paar neue Sorten im Sortiment: eine Kugelaubergine, ganz rund, und eine pinke.

Es wird richtig bunt bei uns. Ich packe die pinke gleich mit dazu. Bevor ich es vergesse: Die Keimtemperatur für Auberginen liegt bei 20 bis 24 Grad Celsius – sie mögen es wirklich warm. Deshalb lege ich nach dem Angießen und Beschriften die Acrylglasplättchen auf die Schälchen und stelle sie in die oberste Etage, wo die Strahlungswärme für die nötige Temperatur in der Erde sorgt.

Wenn ihr das nicht habt, gibt es Alternativen: eine Wärmematte unterlegen oder die Schälchen auf die Fußbodenheizung stellen. Auberginen sind Dunkelkeimer – für die Keimung brauchen sie kein Licht, erst wenn die ersten Pflänzchen aus der Erde schauen, brauchen sie direkt Licht. Nach der Keimung können wir sie etwas kühler stellen. Weiter geht es mit der Physalis, der Ananasbeere.

Die braucht noch mehr Zeit als eine Paprika und viel mehr Zeit als eine Tomate. Deshalb fangen wir auch hier so früh an. Je nach Frühjahr werden wir sie wahrscheinlich nochmal umtopfen müssen, aber der Aufwand lohnt sich, wenn wir eine reiche Ernte einfahren können. Die Aussaat funktioniert genauso wie bei der Aubergine: Schälchen mit Aussaaterde füllen, Löcher vorformen, Saatgut einlegen.

Das Saatgut der Physalis und der Ananaskirsche ist sehr fein, die Aussaattiefe beträgt einen halben bis einen Zentimeter. Wichtig ist das Beschriften, damit wir später nichts vertauschen. Dann gießen wir mit Wasser an, das nicht eiskalt ist, und legen die Glasplatten darüber. Mir ist aufgefallen, dass immer wieder die Frage kam, ob wir nicht ein Video zu bestimmten Themen machen könnten.

Meist haben wir dazu bereits eins gedreht – wir haben mittlerweile über tausend Videos auf dem Kanal. Nutzt einfach die Suchfunktion, da ist einiges dabei. Und noch ein Hinweis zu der Frage nach den ausbleibenden Benachrichtigungen: Als kleiner Trick funktioniert es meistens, wenn man das Abo einmal deabonniert und dann wieder abonniert – wie ein Neustart. Ansonsten gibt es bei uns jeden Sonntag ein neues Video, das ist seit über zehn Jahren so.

Jetzt geht es ans Pikieren. Ich habe zwei Schalen mit gekeimten Pflanzen – den Kirabi nehme ich zuerst. Für den Kohl nehme ich normalerweise die größeren 24er-Multitopfplatten, aber beim Kohlrabi reichen die 35er. Ich fülle die Platte mit Aussaaterde und werde die Pflanzen später mit Flüssigdünger unterstützen – wir nehmen den Mikrodünger.

Man könnte auch Komposterde nehmen, aber die empfehlen wir zu dämpfen, wenn die Pflanzen länger im Haus stehen bleiben. Ich hätte ein paar mehr Kirabi aussäen sollen – in dem Tütchen sind noch 16 Saatkörner, und ich habe vier leere Plätze. Ich habe die Löcher einfach ein bisschen zu weit auseinander gemacht. Beim Pikieren ist Fingerspitzengefühl gefragt.

Dadurch, dass wir das Saatgut in die vorgeformten Löcher gegeben haben, haben wir jetzt leichtere Abstände. Wir fassen die Pflanzen am Blattwerk an, nicht am empfindlichen Stiel – wenn der beschädigt wird, erholt sich die Pflanze nicht. Ein Knick im Blatt ist nicht schlimm, daraus wächst sie wieder. Bei den Wurzeln können wir sie anfassen, sogar lange Wurzeln können wir mit den Fingern einkürzen.

Wir machen ein Löchlein ins Erdreich, setzen die Pflanze ein, ruhig etwas tiefer als vorher, und drücken sie vorsichtig an. Aufpassen, dass sie nicht durch die Gegend getragen wird, sonst knickt sie um. Nach dem Pikieren gießen wir sie an – aber nicht direkt mit Flüssigdünger, das machen wir erst in ein bis zwei Wochen, wenn sie sich erholt haben. Dieses Mal habe ich mit dem Gartenbodenaktivator angegossen.

Dann kommen sie wieder unters Licht, damit sie sich aufrichten können, und ich stelle sie etwas kühler – sie hatten zur Keimung fünf bis zwanzig Grad, jetzt stehen sie bei fünfzehn Grad, das ist wunderbar. Bei den hellen Kohlrabipflänzchen habe ich ein paar mehr ausgesät, da bleiben ein paar übrig, die ich in die leeren Töpfchen der anderen Platte einsetze. Vom Blattwerk her kann man die Sorten gut unterscheiden. Als nächstes pikieren wir den Salat.

Der wurde in der Anzuchtschale gestreut, deshalb muss ich hier besonders vorsichtig arbeiten, um die Pflänzchen herauszulösen. Es ist sehr voll geworden in der Schale – da hätte es auch etwas weniger sein können. Wir pikieren exemplarisch eine Sorte, die anderen machen wir später. Dann geht bei mir die Musik an, und ich singe dabei – das nennt man Pikier-Party.

Und noch eine Sache, die mich oft erreicht: Ob unsere Videos geteilt werden dürfen. Ja, sehr gern! Ihr helft uns damit sogar, denn ihr gebt uns mehr Reichweite und motiviert andere Leute, selbst Gemüse anzubauen. Ich suche mir jetzt die vier schönsten, größten Pflänzchen aus, die anderen gehen wieder in den Kreislauf.

Die ersten Kohlrabi schmecken übrigens am besten, fein aufgeschnitten direkt vom Feld. Unsere Salate pikieren wir auch in der 35er Platte. Für die Erde nehmen wir wieder Aussaaterde, aber wir düngen sie nicht – Salate sind Schwachzehrer. Da arbeite ich nur mit dem Gartenbodenaktivator.

Auch beim Salat fassen wir die Pflänzchen am Blattwerk an, denn der Stiel ist noch zarter. Beim Einsetzen dürfen wir sie nicht zu tief setzen – bis zu den Blättern, aber das Herz der Pflanze muss über der Erde bleiben. Dann drücken wir sie gefühlvoll an, damit sie beim Wässern nicht durch die Gegend schwimmen. In der Aussaatschale sind mehr als genug Pflanzen.

Die übrigen bringe ich meiner Freundin oder Nachbarin mit – ihr wisst ja, Gemüseanbau ist ansteckend, Gott sei Dank. Und wenn man dann seine eigene Ernte auf dem Teller hat, ist das wunderschön. Die pikieren Salate sehen wirklich zart aus, und wichtig ist jetzt, dass wir sie kühler stellen und dass sie Licht haben. Oft ist die Frage, was mit den Pflanzen los ist – meist stimmt die Temperatur nicht oder es fehlt an Licht.

Diese Pflänzchen sind für die Pflanzung im Gewächshaus, also für den geschützten Bereich, gedacht. Aber auch hier gilt: Sie dürfen nicht einfach von innen nach draußen gepflanzt werden. Später kommt die ganze Platte ins Gewächshaus, damit es keinen Schock gibt. Wenn ihr Salate fürs Freiland aussäen möchtet, funktioniert das ab Ende Februar auch ohne Kunstlicht – da reicht ein helles Südfenster mit entsprechender Konstruktion aus.

Ich werde nachher noch eine zweite Platte pikieren, und es bleiben immer noch genug Pflanzen übrig, um sie weiterzugeben. Sortenvielfalt ist mir persönlich sehr wichtig – schon beim Salat sieht man bei den ganz kleinen Pflänzchen, wie unterschiedlich sie sind. Da ist der Batavia, hier der Eissalat, und das ist der Eichblattsalat, den wir eben pikiert haben.

Man könnte natürlich auch direkt mehrere Sorten in Streifen säen, je nachdem, wie der eigene Bedarf ist.