Ich stand in der Nacht neben einem Wasserbecken, das wir komplett leer pumpen ließen, weil der Hund dort angeschlagen hatte – und trotzdem fanden wir nichts. Rebecca war hochschwanger, ein…

Ich stand in der Nacht neben einem Wasserbecken, das wir komplett leer pumpen ließen, weil der Hund dort angeschlagen hatte – und trotzdem fanden wir nichts. Rebecca war hochschwanger, ein...

Der Anruf ging am 13. Mai 2015 bei der Polizei in Aschaffenburg ein. Ein Mann meldete seine hochschwangere Lebensgefährtin als vermisst. Sie hieß Rebecca, war 24 Jahre alt und hatte ihr Kind nicht vom Kindergarten abgeholt.

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Das war nicht ihre Art. Die Beamten Bütner und Albert übernahmen den Fall und spürten sofort, dass hier etwas nicht stimmte. Rebecca galt als zuverlässig. Sie arbeitete direkt gegenüber der Polizeidienststelle, war kurz vor der Niederkunft und kümmerte sich liebevoll um ihr Kleinkind.

Dass sie einfach so verschwand, passte zu nichts, was die Ermittler über sie wussten. Noch in derselben Nacht wurde eine groß angelegte Suchaktion gestartet. Hubschrauber kreisten über der Gegend, Hunderte Helfer durchkämmten Wälder und Gewässer. Sogar ein Wasserauffangbecken neben der Autobahn ließen die Ermittler vom Technischen Hilfswerk abpumpen, weil der Leichenspürhund dort angeschlagen hatte.

Doch von Rebecca fehlte jede Spur. Bei den Befragungen im Umfeld der Vermissten stießen die Kommissare auf eine wichtige Information: Rebecca hatte eine Affäre. Der Mann hieß Jens M. , war 32 Jahre alt, LKW-Fahrer, verheiratet und Vater eines kleinen Sohnes.

Rebecca hatte ihm gesagt, dass sie das Kind von ihm erwartete und dass sie es behalten wollte. Jens M. hatte ihr Geld angeboten, um das Kind abtreiben zu lassen – vergeblich. Dann meldete sich eine Freundin von Rebecca.

Sie erzählte den Ermittlern von einem merkwürdigen Telefonat am Tag des Verschwindens. Rebecca hatte mit ihr gesprochen, als es an der Tür klingelte. Sie sagte: „Der Jens ist da, ich ruf dich zurück. “ Danach meldete sie sich nie wieder.

Die Beamten luden Jens M. als Zeugen vor. Er gab die Affäre zu, beteuerte aber, ein wasserdichtes Alibi zu haben. Er sei mit seinem Bekannten Benjamin E.

im Fitnessstudio gewesen, danach beim Blumenladen und an der Tankstelle, dann zu Hause. Benjamin E. bestätigte die Aussage. Doch die Ermittler blieben skeptisch, vor allem Thomas Bütner.

Er sagte in einer Besprechung klar: „Wir müssen uns an den Jens halten. “

Die Überprüfung des Alibis ergab: Die beiden Männer waren tatsächlich im Fitnessstudio gewesen. Doch die Verlasszeiten wurden dort nicht registriert, und die Kameraaufzeichnungen waren wegen einer technischen Störung unbrauchbar. Das Alibi war also nicht wasserdicht.

Dann meldete sich ein neuer Zeuge. Er behauptete, Benjamin E. habe ihm etwas gestanden. Benjamin E.

habe gesagt, dass in seinem Auto vor zehn Minuten eine Leiche durch die Gegend gefahren worden sei. Der Zeuge hatte es zunächst für einen dummen Spruch gehalten – bis die Medienberichterstattung über den Vermisstenfall losging. Die Ermittler nahmen Benjamin E. fest.

Er war geschockt, brach schnell zusammen und gestand: „Die Rebecca wurde von mir umgebracht. “ Damit brach auch das Lügengebäude von Jens M. zusammen. Er wurde ebenfalls festgenommen.

Im Einsatzfahrzeug fragte ihn Thomas Bütner direkt, wo Rebecca sei. Als Bütner erwähnte, dass Benjamin E. bereits gestanden hatte, senkte Jens M. den Kopf und sagte: „Okay, dann fahren wir jetzt nach Ringheim in die Garage.

Dort, eingewickelt in eine Decke, fanden die Kriminaltechniker die Leiche von Rebecca und ihrem ungeborenen Kind. Umgebracht worden war sie in einem Waldstück. Jens M. schilderte den Hergang so: Rebecca sei freiwillig mit ihm mitgekommen, sie habe mit ihm schlafen wollen.

Doch dann sei in ihm eine Wut hochgekommen, weil sie wieder diese Macht über ihn gehabt habe. Sie seien zu Fall gekommen, er habe sie am Hals gepackt und zugedrückt. Mit einem Kabelbinder habe er die Tat dann vollendet. Im Mai 2016 wurde Jens M.

wegen Mordes an Rebecca zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Benjamin E. erhielt fünf Jahre Haft wegen Beihilfe.

Für die Ermittler Bütner und Albert war das ein Abschluss eines Falls, der ihnen alles abverlangt hatte – und das Ende einer Suche, die für Rebecca und ihr Kind zu spät kam.