Welch ein Schock! Wo war der vermisste Familienvater all die Jahre wirklich? Kinder erfahren nach über zwei Jahrzehnten DAS DUNKLE GEHEIMNIS

Welch ein Schock! Wo war der vermisste Familienvater all die Jahre wirklich? Kinder erfahren nach über zwei Jahrzehnten DAS DUNKLE GEHEIMNIS

Eine schreckliche Gewissheit nach mehr als zwei Jahrzehnten quälender Ungewissheit: Die Kinder des 1996 getöteten Familienvaters Helmut Peters haben endlich erfahren, was mit ihrem Vater geschehen ist. Der Fall, der fast 24 Jahre lang ungelöst blieb, konnte durch einen entscheidenden Hinweis aus der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY… ungelöst“ aufgeklärt werden. Die Kriminalpolizei Krefeld hatte den Leichnam des Mannes bereits im Dezember 1996 in einer stillgelegten Kiesgrube, der sogenannten Hauser Sandkuhle, entdeckt.

Der Tote war furchtbar zugerichtet und völlig entkleidet aufgefunden worden, jede Identifizierung schien unmöglich.

Die Leiche lag etwa zehn Meter den steilen Abhang hinabgestürzt, umgeben von Müll und Unrat. Der Fundort, ein abgelegener und nur Einheimischen bekannter Ort, war offenbar gezielt gewählt worden, um die Spuren zu verwischen. Die Obduktion ergab ein Bild grausamer Gewalt: 17 separate Schlageinwirkungen gegen den Schädel, vermutlich mit einem stumpfen, quadratischen Gegenstand von etwa fünf mal fünf Zentimetern, wie einem großen Hammer.

Hinzu kamen massive Verletzungen an den Beinen und Unterarmen, die auf Abwehrbewegungen hindeuteten. Der Mann war nicht nur getötet, sondern regelrecht hingerichtet worden.

Die Ermittler standen vor einem Rätsel. Der Tote war unbekleidet, sein Gesicht durch die Schläge so entstellt, dass eine Veröffentlichung in den Medien undenkbar war. Die einzige Spur führte nach Osteuropa: Die Zahnfüllungen des Toten deuteten auf eine zahnärztliche Behandlung in Polen hin.

Die Kripo richtete die Sonderkommission „MK Sandkuhle“ ein und fahndete im Milieu der polnischen Landarbeiter, die in der Region illegal beschäftigt waren. Doch alle Spuren verliefen im Sand, und nach Wochen musste die Mordkommission mangels neuer Ansätze eingestellt werden.

Der Tote wurde im Januar 1997 unter großer Anteilnahme der ermittelnden Beamten, die als einzige Trauergäste am Grab standen, anonym beigesetzt. Für die Familie von Helmut Peters begann derweil eine andere, nicht minder quälende Leidensgeschichte. Der 43-jährige Familienvater, ein gelernter Busfahrer, der sich mit einer Kfz-Werkstatt selbstständig gemacht hatte, war seit dem 8.

Dezember 1996 spurlos verschwunden. Seine Kinder, die damals zehnjährige Sabrina und der zwölfjährige Tim, warteten vergeblich auf das nächste Papa-Wochenende.

„Er hat sich immer gemeldet, wenn er nicht kommen konnte“, erinnert sich die Tochter heute. „Aber dieses Mal kam nichts. Kein Anruf, keine Nachricht.

Wir haben uns solche Sorgen gemacht. “ Die Mutter, Karin Peters, versuchte verzweifelt, eine Vermisstenanzeige bei der Polizei aufzugeben, doch die Beamten zeigten sich skeptisch. Helmut Peters hatte Schulden, Kontakte nach Rumänien und galt als erwachsener Mann, der tun und lassen könne, was er wolle.

Eine Suizidgefährdung lag nicht vor. Die Polizei lehnte die Aufnahme einer Vermisstenanzeige ab.

„Das war für mich als Kind der Zusammenbruch meiner heilen Welt“, sagt Sabrina Peters heute. „Ich dachte, die Polizei hilft dir, und dann passiert nichts. Das war sehr, sehr traurig.

“ Die Familie musste sich mit dem Gedanken abfinden, dass Helmut Peters sich ins Ausland abgesetzt hatte, um seinen Gläubigern zu entkommen. Die Mutter ließ sich scheiden, das Haus des Vaters wurde zwangsversteigert. Die Kinder wuchsen in dem Glauben auf, ihr Vater habe sie freiwillig verlassen.

Mehr als zwei Jahrzehnte vergingen. Der Fall des unbekannten Toten aus der Sandkuhle blieb in den Akten der Kripo Krefeld als ungelöster Cold Case. Doch Kriminalhauptkommissar Gerhard Hopmann, der damals den Tatort aufgenommen hatte, ließ der Fall keine Ruhe.

„Ich konnte mich nie damit abfinden, eine Tat nicht zu klären“, sagt er. „Es geht um den Toten und um seine Angehörigen. Die haben einen Anspruch darauf zu wissen, was passiert ist.

“ Im Jahr 2019 entschloss sich die Kripo, den Fall erneut aufzurollen.

Mit modernen kriminaltechnischen Methoden, insbesondere der DNA-Analyse, hoffte man, neue Spuren zu finden. Doch die damaligen Folienabklebungen der Leiche waren vernichtet worden. Also setzte die Polizei auf die Öffentlichkeit.

Ein neues, digital erstelltes Phantombild des Toten wurde angefertigt und der Fall im Mai 2020 in der Sendung „Aktenzeichen XY… ungelöst“ ausgestrahlt. Die Hoffnung: Dass sich nach so vielen Jahren doch noch jemand erinnert, der den Toten kannte.

Die Sendung löste eine Flut von Hinweisen aus. Über 50 Anrufe gingen ein, doch einer stach besonders hervor. Ein Anrufer, der anonym bleiben wollte, sagte: „Ich weiß, wer der Mann ist und wer ihn getötet hat.

Das belastet mich seit 23 Jahren. “ Der Hinweisgeber, der sich später als Bruder eines der Tatverdächtigen herausstellte, gab entscheidende Details preis. Er führte die Ermittler auf die Spur von Helmut Peters, dem seit 1996 vermissten Familienvater.

Eine Speichelprobe von Sabrina Peters, der Tochter des Vermissten, brachte die endgültige Gewissheit: Der Tote aus der Sandkuhle war Helmut Peters. „Das war sehr krass für uns“, erinnert sich die Tochter. „Endlich zu wissen, wer der Tote ist.

Aber das war nur die erste Stufe. Die zweite war, herauszufinden, wer der Täter ist. “ Die Ermittlungen konzentrierten sich nun auf zwei Männer: Klaus, einen ehemaligen Mitarbeiter und Mitbewohner von Helmut Peters, und dessen Freund Michael.

Die beiden Männer hatten Peters in dessen Werkstatt geholfen und dort auch zeitweise gewohnt. Am Wochenende, wenn die Kinder zu Besuch kamen, mussten sie das Haus verlassen. Die Kinder wussten nichts von der ungewöhnlichen Wohngemeinschaft.

Der Hinweisgeber berichtete, dass es zwischen den Männern und Peters zu einem heftigen Streit um eine Provision von 5. 000 Mark gekommen sei. Peters habe die Zahlung verweigert, woraufhin die beiden Männer ihn mit einem Hammer erschlugen.

Die Leiche wurde in der Werkstatt in eine Montagegrube geworfen, in einen alten Teppich gewickelt und später in Peters eigenem Auto zur Kiesgrube gebracht. Seine Kleidung wurde verbrannt, der Wagen vermutlich verkauft. Auch der Schäferhund des Opfers, Rocky, verschwand spurlos – er wurde später dem Sohn des Hinweisgebers geschenkt.

Einer der Tatverdächtigen, Klaus, starb nur wenige Monate nach der Tat bei einem Motorradunfall in der Türkei, den die Ermittler für einen Suizid halten.

Der zweite Tatverdächtige, Michael Bäcker, wurde im September 2020, fast 24 Jahre nach dem Mord, festgenommen. Er schwieg zu den Vorwürfen. Im Mai 2021 verurteilte ihn das Landgericht Krefeld zu einer lebenslangen Haftstrafe wegen Mordes in Tateinheit mit räuberischer Erpressung mit Todesfolge.

„Ohne die erneute Ausstrahlung bei Aktenzeichen XY und ohne die Angaben des Hinweisgebers wäre dieser Fall bis heute nicht gelöst worden“, sagt Kommissar Hopmann. „Der Getötete wäre immer noch ein Unbekannter Toter. “

Für Sabrina und Tim Peters bedeutete das Urteil nicht nur Gerechtigkeit, sondern vor allem ein Ende der quälenden Ungewissheit. „Jetzt weiß man, dass Papa gar nicht abgehauen ist, sondern dass er sich einfach nicht melden konnte“, sagt die Tochter. „Das war für mich ein Stein, der gefallen ist.

“ Der Fall zeigt, wie wichtig es ist, Cold Cases immer wieder aufzurollen und die Hoffnung auf Aufklärung nie aufzugeben. Die Kinder von Helmut Peters haben nach über 20 Jahren endlich Gewissheit – und die Möglichkeit, ihren Vater in Würde zu betrauern.

Kriminalhauptkommissar Hopmann, der den Fall über all die Jahre nicht losgelassen hatte, kaufte schließlich das Grab des unbekannten Toten und ließ einen Grabstein aufstellen. „Das war für mich sehr wichtig“, sagt er. „Das war der kleine Abschluss, den wir nicht machen konnten.

“ Der Fall Helmut Peters ist ein Beispiel dafür, dass Beharrlichkeit und der Einsatz moderner Medien auch nach Jahrzehnten noch zur Aufklärung von Verbrechen führen können. Die Familie kann nun endlich Frieden finden.