Das Erste, das Lena bemerkte, war nicht das Grab, sondern das Geräusch – ein erwachsener Mann, der in hemmungslosen, schmerzhaften Wellen weinte. Sie erstarrte auf dem leeren Friedhof, die Hand um ihren Blumenstrauß geklammert. Sie war gekommen, um das Grab ihres Vaters zu besuchen, aber dort stand ein Fremder, die Schultern gebeugt, das Gesicht an den kalten Marmor gepresst. Auf seiner abgetragenen Uniform klebten feuchte Streifen an der Oberfläche, als hätte er alles verloren.

Verwirrung und ein seltsames Gefühl der Zugehörigkeit stritten in ihr, während sie näher trat. Als er sich schließlich umdrehte, mit geröteten, müden Augen, zuckte sie zurück und fragte leise, wie er das Recht habe, so an ihrem Vater zu trauern. Er stammelte eine Entschuldigung, doch sie blieb misstrauisch. „Sie kannten ihn?
“, fragte sie. Der Mann nickte langsam, und seine Worte trafen sie wie ein Schlag: „Er hat mein Leben gerettet. “ Diese Antwort warf ein neues Licht auf die stille, unbekannte Seite ihres Vaters, und Lena verstand, dass dies keine Trauer eines Fremden war, sondern eine Schuld, die sie noch nicht begreifen konnte.


