Schwuppdiwupp – schon wieder Mai. Es geht so schnell, dass man kaum hinterherkommt. Aber wer jetzt denkt, mit dem Gemüseanbau wäre es gelaufen, der irrt gewaltig. Im Gegenteil: Im Mai gibt es so viel auszusäen wie fast nie sonst, und danach geht es nahtlos weiter.

Juni, Juli, August, September. Doch dieses Jahr ist nichts wie sonst. Es ist nicht nur die Vorfreude auf den Sommer, die mich antreibt. Es ist die Überzeugung, dass wir unabhängiger werden müssen.
Uns selbst versorgen, frisches Gemüse aus dem eigenen Garten. Geld sparen, wo es nur geht. Aus bekannten Gründen hat dieses Jahr eine ganz eigene Schärfe bekommen – und genau da wollen wir ansetzen. Den Garten zum Verbündeten machen.
Schön, dass ihr dabei seid. Bei uns am Gartengemüsekiosk geht es genau darum: Gemüse anbauen, sich selbst versorgen, unabhängiger werden, Geld sparen. Und heute schauen wir gemeinsam, was der Mai noch alles hergibt. Ich beginne immer mit dem, was wirklich zählt: hinschauen, was die eigene Familie isst.
Was kaufen wir im Supermarkt am liebsten? Was können wir davon selbst anbauen? Kartoffeln zum Beispiel. Wenn ihr noch keine in der Erde habt, ist das jetzt überhaupt kein Problem.
Ins Beet, in die Tonne, auf die Terrasse – da geht eine ganze Menge. Dann die einfachen, ertragreichen Sachen: Freilandgurken, Zucchini, Kürbisse. Und die bunte Salatplatte, die uns den ganzen Sommer begleitet. Wer neu bei uns ist, gibt in der Suchfunktion einfach sein Lieblingsgemüse ein – oder schaut auf unserer Internetseite vorbei.
Ich starte mit dem Blattgemüse. Salat geht immer. Die bunte Mischung könnt ihr im Mai in einer Multitopfplatte vorziehen und später auspflanzen. Das Schöne daran: Salat nach Salat an dieselbe Stelle setzen, das ist fruchtfolgeneutral.
So können wir uns im Garten, im Kübel, im Hochbeet oder im Balkonkasten die ganze Saison lang selbst mit frischen Blattsalaten versorgen. Dazu kommt der Fenchel. Jetzt säen wir den frühen Fenchel aus, im Juni wechseln wir zum späten. Jede Zeit hat ihr passendes Saatgut – und wer das beachtet, bekommt bessere Erträge und ein besseres Ergebnis.
Für Spinat ist es ein bisschen spät, aber wer Spinatgemüse mag, hat zwei wunderbare Alternativen: Mangold, in Rot oder Bunt, und die Gartenmelde, die man genauso zubereitet wie Spinat. Beide können im Mai noch gesät werden. Weiter geht es mit dem Kohlgemüse. Was ich gerade in der Hand halte, ist unser Aussaatkalender.
Den haben wir ursprünglich für uns selbst entwickelt, immer weiter verbessert – und inzwischen erfreut er viele Gartenherzen. Wenn wir jetzt Kohl aussäen, brauchen wir kein Gewächshaus mehr. Alles kann draußen stehen. Und dann kommt der Moment, an den viele gar nicht denken: Es ist Zeit, an den Winter zu denken.
Rosenkohl, Grünkohl, Palmkohl, Winterwirsing – die wollen jetzt noch ausgesät werden, damit sie bis zum Winter schön kräftig dastehen. Auch Weißkohl, Rotkohl und Brokkoli können wir jetzt noch in die Erde bringen. Vom Kohl geht es weiter zum Zwiebelgemüse. Ich hole mir ein Schälchen und fülle Erde ein.
Ein bisschen windig ist es heute, aber das macht nichts. Für den Winterporree fülle ich das Schälchen mit feiner Erde. Die Saattiefe liegt bei ungefähr einem Zentimeter. Dann kommt das Saatgut: winzige schwarze Körner, die ich einfach ausstreue.
Man freut sich auf den Sommer, und dann steht man hier und sät Wintergemüse aus. Ein bisschen Erde drüber, ordentlich angießen. Und dann fällt es mir auf. Wichtig, wichtig!
Ich habe noch nicht beschriftet. Das hole ich sofort nach, bei beiden Schälchen. Und noch etwas: Wenn ihr aussät, achtet auf die Erde. Oft bekomme ich Fotos gezeigt, auf denen die Erde aussieht wie aus dem Wald.
Das mag hübsch sein, aber für die Aussaat sollte die Erde feinkrümelig sein. Dann keimt es besser und wächst besser. Die Schälchen bleiben einfach draußen stehen. Dann hole ich die Kartoffeln aus unseren Tonnen hervor.
Schaut mal, was ich hier in der Hand habe. Sie treiben zwar schon ein bisschen aus, aber man kann sie immer noch wunderbar essen. Wären sie richtig ausgetrieben, müsste man sie liegen lassen – dann wären sie holzig. Aber das hier ist perfekt gelagert.
Kartoffeln, Knollen, Wurzeln, Rote Bete: das beste Krisengemüse überhaupt. Die Kartoffeln wandern jetzt in die Küche. Ich freue mich schon auf ein Rote-Bete-Carpaccio. Damit sind wir beim Wurzelgemüse – und das wird fast alles direkt ins Beet gesät.
Wichtig ist: Wenn wir eine trockene, sonnige Phase haben, heißt es morgens gießen und aufpassen, dass nichts austrocknet. Sonst wird das nichts. Die einzige Ausnahme sind Steckrüben, die ziehen wir vor. Alles andere – Möhren in verschiedenen Farben, Bete in verschiedenen Farben, auch die hübsch geringelte, Pastinaken, Haferwurzel, Schwarzwurzel – wandert direkt in die Erde.
Für Feinschmecker gibt es die Wurzelpetersilie mit ihrem feinen Geschmack. Und die Mairübe ist auch dabei. Und dann natürlich die Kartoffeln. Jetzt im Mai, sogar noch Anfang Juni, können wir sie in die Erde bringen.
Schaut, ob ihr noch ein Plätzchen habt – für Kartoffeln oder für Rote Bete. Beim Fruchtgemüse müssen wir ehrlich sein. Tomaten, Auberginen, Paprika: Für sie ist es jetzt zu spät zum Aussäen. Da brauchen wir Jungpflanzen.
Aber es gibt noch genug, was wir aussäen können – zum Beispiel Mais. Zuckermais kennen wir alle, den frieren wir gerne in ganzen Kolben ein. Wer aber wirklich an Selbstversorgung und Lagerhaltung denkt, für den ist Speisemeis die richtige Wahl. Den kann man trocknen, vermahlen und zu Brot, Pizza oder Polenta verarbeiten.
Und dann gibt es noch den Popcornmais. Die Körner sind kleiner, aber sie poppen wunderbar auf. Man kann sie ganz leicht trocknen – ohne Dörrgerät, ohne Einkocher, ohne Gefrierfach. Wenn der Kolben trocken ist, dreht man ihn in beiden Händen gegeneinander, und die Körner lösen sich.
Ich kann Mais direkt ins Beet säen. Aber wenn ich nicht so viel Platz habe, ziehe ich ihn lieber in Töpfchen vor. So wachsen die Pflanzen gleichmäßig, und ich kann sie im gleichen Stadium als Gruppe setzen. Mais ist Windbestäuber – wer ihn in einer Gruppe pflanzt, bekommt zuverlässigen Ertrag.
Und wenn ihr einen Platz habt, der Sichtschutz braucht: Mais ist perfekt. In der Hand halte ich die Trockenbohne. Zusammen mit der Kidneybohne gehört sie zu den Buschbohnen, die wir jetzt im Mai wunderbar aussäen können. Wichtig ist, ein bisschen auf das Wetter zu schauen.
Bei uns wäre es jetzt noch zu kalt für die Direktsaat. Also ziehen wir die Bohnen vor – in Töpfchen, vier Stück pro Topf. Wenn es nachts kälter als zehn Grad wird und es obendrein regnet, kommen sie besser rein. Nass und kalt, das mögen Bohnen nicht.
Dann faulen sie, statt zu wachsen. Überhaupt gilt: feucht halten, aber nicht zu nass. Bei fast allem. Wisst ihr, was Bohnen so besonders macht?
Dieses Glas hier war randvoll. Trockenbohnen, Kidneybohnen, Stangenbohnen – alles, was ich als Trockenbohne ernten kann, kann ich haltbar machen. Kein Einfrieren, kein Einkochen. Und wenn ich sie essen will, lege ich sie ein bis zwei Tage in Wasser, gieße das Wasser ab, nehme frisches, würze und koche sie.
Daraus wird eine Creme, ein Salat, eine Suppeneinlage. Wer unabhängig sein will, wer Geld sparen will, wer satt werden will von Gemüse aus dem eigenen Garten: Bohnen sind eine der besten Empfehlungen, die ich geben kann. Dann die Kürbisgewächse. Gurken, Zucchini und Kürbis können wir jetzt aussäen.
Beim Okido heißt es Geduld haben – er hat eine harte Schale und braucht etwas länger. Aber der Mai ist eine gute Zeit, um loszulegen. Erinnert ihr euch an unsere letzte Aussaat? Die Gurken.
Die Pflänzchen sind schön gewachsen, und jetzt will ich euch etwas zeigen. Schaut mal hier – an den Stielen sind kleine weiße Pünktchen zu sehen. Die Pflanze versucht, Wurzeln auszubilden. Genau dafür haben wir die Töpfe damals nur zu zwei Dritteln gefüllt.
Jetzt nehme ich vorsichtig die Blätter zur Seite und häufle Erde an. Die Pflanze bildet neue Wurzeln, wächst stabil weiter und bekommt mehr Nährstoffe – anstatt in die Höhe zu schießen und zu vergehen. Dann gieße ich an, fertig. Ein Tipp für alle, die Kinder von Zucchini überzeugen wollen: Probiert den Patisson-Kürbis.
Der Weiße wird jung geerntet, schmeckt ähnlich wie Zucchini und ist mit Knoblauch vom Grill bei vielen Kindern sehr beliebt. Wichtig bei Kürbisgewächsen: Sie wollen es warm haben – zwanzig Grad sind ideal. Deshalb stelle ich sie bis zur Keimung lieber ins Haus, damit sie erst einmal Fuß fassen. Und feucht halten, ja, aber nicht zu nass.
Zu viel Nässe mögen sie nicht. Und dann das i-Tüpfelchen für jeden Gemüsegarten: Blumen. Essbare Blumen sind eine wunderbare Sache. Sie ziehen Insekten an, fördern die Bestäubung und bringen uns am Ende eine größere Ernte.
In unserem Aussaatkalender findet ihr die ganze Tabelle im Dezember – dort steht, welche Blumen wir im Angebot haben, mit Saattiefe, Pflanzabstand und Keimtemperatur. Sonnenblumen zum Beispiel. Aber es gibt nicht nur Blumen, auch Kräuter. Ich halte gerade Oregano in der Hand – das bekannte Pizzakraut.
Diese Pflanze habe ich nicht erst letzten Monat ausgesät. Das sind Triebe einer Pflanze vom letzten Jahr. Wer Kräuter aussät und einpflanzt und sie über den Winter einfach in Ruhe lässt, hat jetzt im Frühling direkt frische Triebe. Mit Thymian funktioniert das genauso.
Wir können jetzt Oregano, Majoran, Thymian, Petersilie und Dill aussäen – in Multitopfplatten, einfach draußen. Dazu kommen Koriander und Baldrian. Und wenn ihr eine Katze habt, ist eine Baldrianpflanze sowieso Pflicht. Und dann der Basilikum.
Den säen wir jetzt, aber sicherheitshalber im Gewächshaus. Da hat er die Bedingungen, die er liebt, und keimt schnell. Später pflanzen wir ihn zwischen die Tomaten, aber auch zwischen Kohl und Paprika – er ist einfach ein guter Nachbar. Es geht also eine ganze Menge.
Hättet ihr gedacht, dass im Mai noch so viel möglich ist? Vielleicht war sogar für die alten Hasen unter euch der eine oder andere Impuls dabei. Wer noch mehr möchte: Wir haben kostenlose Onlinekurse und Workshops – die ganze Playlist ist verlinkt. Und wenn es euch gefallen hat, freue ich mich über einen Daumen nach oben.
Macht eure Gärten schön bunt. Eure Jen.


