The ‘Croatian Himmler’: What Happened to Luburić 20 Years after WWII

The ‘Croatian Himmler’: What Happened to Luburić 20 Years after WWII

Der Mann, den Überlebende als den grausamsten Sadisten des Zweiten Weltkriegs beschreiben, wurde am 20. April 1969 in seinem Exil in Spanien getötet – fast zwanzig Jahre nach Kriegsende, doch die Wahrheit über seine Taten in Jasenovac holte ihn ein.

Vjekoslav Luburić, der als „kroatischer Himmler“ in die Geschichte einging, war der Architekt des Todeslagers Jasenovac, in dem Zehntausende Serben, Juden und Roma unter entsetzlichen Qualen starben. Geboren am 6. März 1914 im herzegowinischen Dorf Humac, wuchs er in einer Zeit ethnischer Spannungen auf, die durch die Ermordung seines Vaters durch einen serbischen Polizisten 1918 geprägt wurde.

Der Tod seines Vaters und der Selbstmord seiner Schwester trieben ihn in den radikalen kroatischen Nationalismus. 1931 schloss er sich der Ustaša an, einer faschistischen Bewegung, die mit Gewalt einen unabhängigen kroatischen Staat errichten wollte. Zehn Jahre verbrachte er im ungarischen Exil, bevor der Zweite Weltkrieg ihm die Gelegenheit bot, seine Rache zu vollstrecken.

Als die Achsenmächte im April 1941 Jugoslawien zerschlugen, riefen die Ustaša den Unabhängigen Staat Kroatien aus. Luburić kehrte sofort zurück und begann mit systematischen Massakern an Serben. Bereits im Mai 1941 befahl er die Tötung von 400 Männern in Veljun – sie wurden mit Messern und stumpfen Gegenständen erschlagen, Luburić selbst watete durch Blut.

Das Lager Jasenovac, ein Komplex aus fünf Lagern an der Save, wurde unter seiner Führung zum „Balkan-Auschwitz“. Selbst deutsche SS-Offiziere, an organisierten Massenmord gewöhnt, zeigten sich entsetzt über die Brutalität. Häftlinge wurden mit Messern zerstückelt, zu Tode geprügelt oder lebendig verbrannt – Luburić förderte eine Kultur der Grausamkeit als Patriotismus.

Im September 1941 reiste er nach Deutschland, um Konzentrationslager wie Sachsenhausen zu studieren und die Mordmethoden zu perfektionieren. Zurück in Kroatien baute er Jasenovac zu einer Todesfabrik aus, die von über 1500 Wachen bewacht wurde. Regelmäßig tötete er persönlich mindestens einen Häftling bei seinen Inspektionen.

Die Opferzahl ist bis heute umstritten, aber Historiker schätzen, dass in Jasenovac zwischen 80. 000 und 100. 000 Menschen umkamen – die Mehrheit Serben, aber auch Juden, Roma und politische Gegner.

Luburić’ fanatischer Hass richtete sich besonders gegen Serben: „Ein Drittel töten, ein Drittel vertreiben, ein Drittel katholisch taufen“, lautete die öffentliche Doktrin.

Als sich die Kriegswende 1945 abzeichnete, versuchte Luburić, die Spuren seiner Verbrechen zu tilgen. Er ließ Leichen aus Massengräbern exhumieren und verbrennen, die Lagerdokumentation vernichten. In Sarajevo, wo er die „Villa des Schreckens“ eingerichtet hatte, ließ er 55 Menschen an Bäumen und Laternenpfählen aufhängen.

Am 8. Mai 1945 endete der Krieg in Europa, doch Luburić entkam. Über verschiedene Stationen fand er schließlich Zuflucht in Spanien, wo Franco-Diktatur ihm Unterschlupf gewährte.

In Carcaixent bei Valencia baute er sich ein neues Leben auf, heiratete eine Spanierin und bekam vier Kinder.

Doch sein Gewissen jagte ihn nicht – im Exil blieb er aktiv in kroatischen nationalistischen Kreisen, veröffentlichte Zeitungen und träumte von einer Wiederbelebung der Ustaša. Die jugoslawischen Geheimdienste unter Tito hatten ihn jedoch nie aus den Augen verloren.

Am 20. April 1969, fast zwanzig Jahre nach Kriegsende, schlug die Vergeltung zu. Sein Patensohn Ilija Stanić, vom jugoslawischen Geheimdienst als Agent angeworben, vergiftete zunächst seinen Kaffee.

Als das Gift nicht wirkte, erschlug Luburić ihn mit einem Hammer – die Autopsie ergab, dass er erstickte, während er in seinem eigenen Blut lag.

Der 55-jährige Luburić wurde unter seinem Bett gefunden, blutüberströmt – ein Ende, das an die Grausamkeit erinnert, die er selbst tausendfach verübt hatte. Sein Tod blieb jahrzehntelang von Geheimdienstmythen umgeben, bis freigegebene Akten die Wahrheit enthüllten.

Die Frage, ob er im Sterben Reue für seine Taten empfand, wird nie beantwortet werden. Für die Überlebenden von Jasenovac und die Angehörigen der Opfer aber ist die Tatsache, dass Luburić nicht in Frieden starb, ein spätes, wenn auch kleines Zeichen der Gerechtigkeit.

Sein Vermächtnis ist ein Mahnmal menschlicher Abgründe: Ein Mann, der aus persönlichem Leid heraus zum Massenmörder wurde, der die Grenze zwischen Ideologie und Wahnsinn verwischte und der selbst im Exil nie von seiner Schuld loskam. Sein Name bleibt für immer mit dem dunkelsten Kapitel der kroatischen Geschichte verbunden.

Die jugoslawischen Behörden lösten den Fall nie offiziell, doch Stanićs Geständnis aus Mai 1969 ist erhalten: „Ich schlug ihn zweimal, dann verließ ich das Haus und floh nach Frankreich.“ Die Tat war sorgfältig geplant gewesen – ein Racheakt im Auftrag eines Staates, der nie vergaß.

Heute, mehr als 50 Jahre nach Luburićs Tod, wird Jasenovac noch immer von politischen Instrumentalisierungen heimgesucht. Die Gedenkstätte wurde während der Balkankriege der 1990er Jahre zerstört, später wieder aufgebaut. Die Opferzahlen sind bis heute ein Streitpunkt zwischen kroatischen und serbischen Historikern.

Doch die Fakten sind unbestreitbar: Luburić war der Kommandant eines der grausamsten Vernichtungslager des Zweiten Weltkriegs. Seine Eigenhändigkeit bei Morden und seine sadistische Freude am Töten machen ihn zu einer der abscheulichsten Figuren des Holocaust auf dem Balkan.

Sein Leben endete, wie es begann: in Gewalt. Der Tod durch die Hand seines Patensohns, eines jugoslawischen Agenten, war die letzte Pointe einer Geschichte, die von Hass und Vergeltung geprägt war. Die Weltgeschichte erinnert sich an Luburić nicht als Helden, sondern als das Monster, das er war.